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Bürokraten-Briefe : V. Sozialdemokraten und nationales Bewußtsein.
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Parteipolitische Verhältnisse in der Südafrikanischen Union

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Lassen Sie mich abbrechen. Das, was zum Ende führte, ist ja noch in frischer, blutender Erinnerung: die planmäßige Vorbereitung der Niederlage durch Zersetzung der bewaffneten Macht, deren sich Wortführer der Unabhängigen öffentlich gerühmt haben; derDolchstoß in den Rücken" des Heeres im Augenblick, als es nach Er­löschen der Siegeshoffnung galt, einen Diktatfrieden abzuwehren; die Erdrosselung des letzten Willens zur Verteidigung, der Druck auf Annahme der vernichtenden Wasfcnstillstandsbedingungen, die Deutschland wehrlos der Raub- und Rachgier seiner Feinde überantwortete; endlich die Umwälzung selbst, die im Augenblicke äußerster Not des Vaterlandes alle Autorität, allen Zusammenhalt, alle Möglichkeit' zum Widerstande vernichtete. Über diese Bergeslast von Schuld, die sich die Sozial­demokratie aufgeladen hat die Sozialdemokratie in ihrer Gesamtheit! Denn ihre Saat, jahrzehntelang in einmütiger Arbeit gestreut, wenn auch durch zahllose Fehler der Negierung und der anderen Parteien gedüngt, ist es gewesen, die in jenen schwarzen Herbsttagen aufging, und was die Radikalen mit Vorbedacht herbeiführten, haben die Mehrheitssozialisten, um nicht unter die Räder zu kommen, wenigstens nachträglich gedeckt und mitgemacht über all dies Unnennbare kann ich beim besten Willen nicht mit der Gelassenheit reden, die zu wahren ich mir alle Mühe gebe, um brennende Streitfragen mit einem alten Freunde in Freundschaft zu besprechen.

parteipolitische Verhältnisse in der südafrikanischen Union

von Africanus

ach Verhandlungen, die viele Monate dauerten und oft zu scheitern drohten, schloffen sich am 31. Mai 1910 die vier britischen Kolonien in Südafrika: Kapkolonie, Natal, Oranjefreistaatkolonie und Trans­vaal, zur Südafrikanischen Union (Union of South Africa" lautet die amtliche englische Bezeichnung) zusammen. Die zu über­windenden Schwierigkeiten waren ungeheure gewesen. Um nur eine davon zu er­wähnen: Jede der vier Kolonien hatte ihr eigenes Ministerium, und die Zustimmung ?um Zusammenschluß bedeutete für die große Mehrzahl der Minister das politische Harakiri. Die Selbstverleugnung und politische Einsicht dieser Männer verdient Bewunderung. Ein großer Teil des Verdienstes am Zustandekommen dieses für Südafrika so wichtigen Werkes gebührt übrigens der Staatskunst und dem Takt eines Mannes, dem die Geschichte bisher noch nicht den gebührenden Tribut zollt, vielleicht weil seine Bescheidenheit einen der stärksten Züge seines vornehmen Charakters bildet. Es ist dies Lord Selborne, wohl der größte und sähigste General­gouverneur, den Südafrika je gehabt hat.

Ein weiterer Mann, der an dem Zustandekommen der Union hervorragend beteiligt war, ohne in der Öffentlichkeit sehr hervorzutreten, war Jan Hendrik Hofmeyr, einer der bedeutendsten Führer der Burenpartei in der Kapkolonie und Gründer desAfrikanderbond", des Bundes der Afrikaner, der im politischen Leben Südafrikas während einiger Jahrzehnte eine wichtige Rolle spielte und in der: