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Um die deutsche Einheit
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Bürokraten-Briefe

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Der Vorläufer des Norddeutschen Bundes und des Deutschen Reiches war der deutsche Zollverein. Die Einigung damals ging also vom Wirtschaftlichen aus und endigte im Politischen. Es ist nicht undenkbar, daß es diesmal umgekehrt sein wird. In einer Zeit wirtschaftlichen Niederbruchs ohne gleichen und bei einer politischen Entwicklungsmöglichkeit, wie sie bisher noch selten in der deutschen Ge­schichte bestanden hat, kann diesmal wohl die politische Einigung den Vortritt erhalten.

Man mag über dienationale Verlumpung" der deutschen Sozialdemokratie ein gutes Wort Noskes so absprechend urteilen, wie man nur will, der Real­politiker wird nie vergessen dürfen, daß die von ihr vertretenen Massen in ihrer Abkehr vom Föderalismus eine Strömung bilden, die, sicher geleitet und genutzt, uns dem Ziele des Einheitsstaates näherbringen muß. Diese Strömung steht in einer beiden Teilen unbewußten Wechselwirkung mit den guten, für unsere staatliche Entwicklung nützlichen Seiten des Föderalismus, wie sie oben gekennzeichnet wurden. Der Gedanke des Einheitsstaates muß das Brauchbare nehmen, wo er es findet und das Unbrauchbare abstoßen. Wenn die staatliche Konsolidation Bayerns in ihrer Einwirkung auf Norddeutschland bei uns Sowjetzustände verhindert, so kann es ihr wirklich nicht hoch genug gedankt werden. Führt sie aber zu einer notwendig die Reichseinheit sprengenden Sondermonarchie, so wird sie wahrscheinlich schwereren Schaden anrichten, als sie Nutzen stiften kann. Hätten wir nur ein bißchen politischen Fernblick und Großzügigkeit, so müßte uns der Umstand, daß unsere Feinde den Föderalismus wollen, der beste Beweis dafür sein, daß wir jetzt den Einheitsstaat haben müssen. Er ist heute möglich und es bleibt nur dafür zu sorgen, daß er in einer Gestalt ersteht, die eine organische Fortsetzung des preußisch­deutschen Reiches verbürgt, wie es von 1870 bis 1918 doch schließlich die größten Leistungen aufzuweisen hatte, die in der Weltgeschichte in so kurzer Zeit jemals vollbracht sind. Um den Kaisergedanken braucht kein Anhänger Preußens in Deutschland bange zu sein. Wie er sich durch die Jahrtausende erhalten hat und wie er nach zweijährigem Umsturz bereits wieder mächtig angewachsen ist, so wird auch die weitere politische Entwicklung des deutschen Volkes niemals an ihm vorbei­gehen können.Kaiser" undReich" klingen immer wieder zusammen.

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Bürokraten-Briefe*)

von Unterstaatssekretär a. D. Freiherr v. Falkenhausen V. Sozialdemokratie und nationales Bewußtsein. Es klang fast nach einer Einladung zum gemästeten Kalbe, so freudig begrüßten Sie mich verlorenen Sohn, der eben noch mit Schutz der Arbeitswilligen, Obrigkeits­staat u, dgl. reaktionären Schändlichkeiten das Erbe seiner Vernunft vergeudet hatte, wegen der Abkehr vom Kapitalismus, die Sie in meinem letzten Briefe überrascht

*) Nachstehende Bürokratenbriefe des bekannten Verfassers stammen aus dem Winter 1919/1920. Siehe auchGrenzboten" Heft 44/45, 46, 47/43 und 49. Weitere Briefe folgen in den nächsten Heften.