Beitrag 
Zum deutschen Roman der Gegenwart
Seite
255
Einzelbild herunterladen
 

Weltspiegel 255

kühne Bilder des Grauens, die eine erschütternde Sprache reden. Strobl meistert das alles mit einer virtuosen Geschicklichkeit, bleibt aber stets über seinem Stoffe.

Damit sei der Neigen beendet. Es gibt einen deutschen Ro.mcm, einen ge­sunden und dabei doch künstlerisch hochstehenden, einen Roman, der die Kräfte auf­zeigt, die im deutschen Volke an der Arbeit sind, von innen aus einen Genesungs­prozeß durchzuführen. Man verschone uns nur mit dem lauten Getriebe einer Klique, die sich einbildet, den modernen Roman, die Kunst überhaupt, für sich allein gepachtet zu haben, und deren ganzes Schaffen nichts anderes ist, als eine atemlose Hetze hinter Sensationen, ein lüsternes Spiel auf den Saiten der Sexualität. Eine derartige Bereicherung unseres deutschen Schrifttums aber sei dankend und energisch abgelehnt.

v.,^^5>HL?<M

ZVeltspiegel

Athen und London. Über die tieferen Ursachen des Regierungswechsels m Griechenland sind noch keine authentischen Nachrichten zu bekommen und die­jenigen griechischen Persönlichkeiten, die sie liesern könnten, tun dies schon deshalb nicht, weil es noch nicht einmal feststeht, ob dcr Wechsel des Regimes auch einen wirklichen Umschwung der griechischen Außenpolitik bedeutet. Die aufge­tauchten Nachrichten über Truppeimieutereicn in Kleinasien wird man vorderhand mit äußerstem Mißtrauen auszunehmen haben und anscheine« d geht in den leitenden Kreisen Athens eine starke Strömung darauf aus, zwar, schon im Interesse nationaler Selbständigkeit, König Konstantin zurückzurufen, aber die Errungen­schaften des Krieges nicht fahren zu lassen. Im ««runde wäre damit nur der letzte Schritt zur Krönung der venizelistischen Politik getan: Griechenland zur nicht nur großen, sondern auch selbständigen Mittelmeermacht werden zu lassen. Dadurch würde vor allem Italien einen auf die Dauer recht gefährlichen Rivalen bekommen, besonders wenn die Griechen, soweit es tunlich wäre, auf eine sehr kostspielige gewaltsame Befestigung ihres so rasch angewachsenen Machtbereichs verzichteten und die dabei ersparten Mittel anderweitig nutzbar machen würden. Eine Jnternatio- nalisierung Smyruas z. B. würde Griechenland, abgesehen von ideellen Gesichts­punkten wesentliche Nachteile kaum bringen, und auch bezüglich Thraziens könnte es ihnen genügen, wenn es in irgendeiner Form Bulgarien entzogen bliebe. Natürlich sind die Italiener viel zu klug, sich irgendein Mißbehagen anmerken zu lassen; sie wissen sehr wohl, daß eine innere und äußere Konsolidierung Griechenlands, solange das entwaffnete Bulgarien zwar in Fragen des Zugangs zum Ägäischen Meer «u Griechenland in starkem, durch Frankreich heimlich verstärktem Gegensatz steht, jedoch als Machtfaktor auf dem Balkan augenblicklich selbständige Bedeutung kaun, besitzt, die Sttdslawen trotz aller inneren, namentlich auch infolge des Wahl­ausfalles von Kroatien ausgehenden Hemmungen ihrem Einfluß zugänglich machen und zu weiterem Ausbau der im Vertrag von Rapallo vorgesehenen italienisch­südslawischen Annäherung treiben muß, und es ist möglich, daß man in Italien schon jetzt für den Balkan eine ähnliche Politik ins Auge faßt, wie sie England Deutschland ' und Frankreich gegenüber verfolgt: bei scheinbarem Desintcressemcnt und unter dein Gesichtspunkt der Erhaltung des Friedens einen Gegner gegen den anderen aus­zuspielen. Es darf nicht übersehen werden, daß diese Politik einstweilen durch die Bestrebungen Frankreichs, Bulgaren und Südslawen in der mazedonischen Frage ein­ander anzunähern, absichtlich oder unabsichtlich Unterstützung erhält. Auch in der türkischen Frage ist eine Annäherung Frankreichs an Italien zu verzeichnen, nicht umsonst wird auf der Durchreise nach London Graf Sforza bei Millerand Station