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Die elsaß-lothringische Lehre : zum 22. November
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183 Die wirtschaftliche Lage Deutschlands nack dem Friedensschluß

nat-onalen korporativ unterbauten Gesamtkultur durchringen, die aus der bunten Vielfalt deutscher Stnmmescharaktere lebendige schöpferische Kräfte entbindet. Wir sollen uns von der kulturellen Vormundschaft des Staates befreien. Was soll dies gebrochene Reich, das seine zerrüttete Verwaltung aus kleinsten Zellen neu­erbauen muß, jener Hälfte unserer Nation, die in fremder Staatlichkeit gebunden ist? Dies Reich wird noch auf lange hin an innerer Werbekraft einbüßen. Die An- ziehungs- und Bindekraft der Nation aber wird wachsen, je mehr sie bureaukratische Fesseln abstreift und inneres stammlich freies Leben gewinnt.

In Elsaß-Lothringen wohnen Alemannen und Franken. Staatlich-neudeutsch sind das versunkene geschichtlich gewordene Gestalten. In ihren Dialekten, in ihren Sitten, in der Sprache ihres Blutes sind sie noch immer lebendig. Aus diesen Kräften müssen wir Kultur und kulturellen Lebenslvillen holen. Das Blut des deutschen Volks, das im Dienste des Reiches sieglos vergossen wurde, muß wieder zu reden beginnen. Auf diese Stimme wird deutsches Volkes aufhorchen, wohin immer es durch politische Schicksale verschlagen ist. Vo^k muß wieder Leib werden. Leib ist Wille. Und Wille ist Zukunft.

Glaube an die Bindekraft von Bolksrum und Sprache: darin liegt heute mehr als je die elsaß-lothringische Lehre beschlossen.

Die wirtschaftliche Lage Deutschlands nach dem Friedensschluß*)

von Geh. Reg.-Rat Dr. Nieder? (Berlin)

Am Baum der Menschheit drängt sich Blut' an Blüte, Nach ew'gen Regeln wiegen sie sich drauf, Wenn hier die eine matt und welk verglühte. Springt dort die andre voll und Prächtig auf. Ein ewig Kommen und ein ewig Gehen, Und nie und nimmer träger Stillestand! Wir seh'n sie auf-, wir seh'n sie niederwehen Und j<'de Blüte ist ein Volk, ein Land! Wir seh'n sie auf-, wir sed'n sie niedcrwehcn Und ihre Lose ruh'n in Gottes Hand!

^it diesen Worten beginnt und schließt Ferdinand Freiligratlj im Jahre 1844 ein Gedicht an Deutschland. Das dichterische Bild dieser Strophe spiegelt auch das Geschick unseres Vaterlandes wieder. In» Auf und Ab des Völkergeschehcns ist Deutschland durch den Krieg und seine Folgen von einer bisher unerreichten politischen und wirt­schaftlichen Höhe herabgestürzt und auf einem Tiefstand angekommen, den noch vor wenigen Jahren niemand im In- und Auslande für möglich gehalten hätte. ES

*» Vvrtrag gehalten am 21, Oktober 1920 m Düsseldorf auf dem VII. Landeskirchlichw sozialen Kursus.