138
Drinnen und draußen
Drinnen und draußen
Grenzland Helgoland. Helgoland Grenzland. Als der Krieg kam, fegte er mit einem Federstrich die dritthalb Tausend schweigenden Menschen von ihrer zauberhaften kleinen Sandsteinfelsenheimat hinweg, spülte sie als ungern aufgenommene stumme anspruchslose Gäste den Elbgemeinden in die Arme Flüchtlingslos. Sie trugen eS wortlos, standhaft, als Friesen, als Deutsche. Sie hatten 24 Jahre damit gerechnet, sie waren vorbereitet. Ihre Feier in der kleinen Ottenser Kirche am 10. August 1916, als sie ÄS Jahre zu Deutschland gehörten, bewies es. Sie waren treu befunden worden, aber niemand verstand diese Treue zu würdigen. Man hatte nicht einmal die Absicht, ihnen diese Treue zu lohnen. Wäre der Krieg -anders ausgefallen, dann wäre Helgoland stillschweigend geblieben, was es über vier „Kricgsjahre gewesen, eine ausschließliche Domäne der Marine ohne ein ziviles Anhängsel. Es kam jedoch nicht da u, die schweren Tritte der helgolander Friesen stampften in dem bösen Winter 19!3 wieder über die Straßen ihrer ach so veränderten Insel, die ihnen ungastlich entgegenstarrte. Unbeholfen, eigensinnig, unpraktisch, verarmt, aber voll zähen Eifers, wieder Lebensbedingungen zu finden und zu schaffen, gingen die Hclgolander daran, Helgoland wieder aufzubauen, allen voran die Frauen, die immer die treibende Kraft, die größere Intelligenz der Jnselbevölkerung gewesen waren. Zu den wirtschaftlichen kamen politische Nöte. Helgoland hatte eine kleine Sonderstellung in seiner Selbstverwaltung genossen, die den Bestand des großen deutschen Staates noch nie gefährdet hatte. Landfremdes Volk wurde vorübergehend seßhaft auf dem Fels, der Friedcnsvcrtrag nährte Festlandsarbeiter, die sich bald als Herren zu fühlen begannen. Sie begehrten nach bewährtem Muster Rechte, Helgoland schien ihnen als der Ort, ihre Machtgclüste zu schulen. DaS wäre der Todesstoß für Helgoland gewesen. Endlich rührte sich die Negierung. Das Unglück wurde, zwar mangelhaft, so doch in seiner gröbsten Gefahr .vermieden. Nun steht Helgoland nach
zwei Friedensjahren am Beginn des vierten Dezeniums Dcutschseins im wahrsten Sinne des Wortes vor einem Trümmerhaufen. Die Festung und der Hafen fallen unter den langsamen Händen der Arbeiter in Schutt, die Insel zittert täglich unter den Spreng schüsscn wie ein Schiff im Orkan. Die Schäden des Krieges sind noch nicht zum zehnten Teil geheilt und schon gesellen sich neue Schäden dazu. Helgoland ist Grenzland, zäh und wortlos sind die Helgolander Deutsche, die in der Nordsee uns Hunderte von Jahren gezeigt haben, wie man sein Deutschtum bewahren kann, seine alten Sitten, Sprache und nationale Würde. Es stünde der Regierung gut an, mit einem großzügigen Dank hier Wunden zu heilen, die mit einer wahren Lammsgeduld nun schon ins siebente Jahr hinein ertragen werden. Helgoland harrt und hofft, es wird weiter hoffen und harren, aber ob ihm der Dank für seine Entsagungen, für sein Ausharren werden wird, ist fraglich, es ist Niemand da, der es kennt und liebt und weiß, was es erduldet hat und noch erduldet. Helgoland ist auch als entwaffnete und hafenlose Insel etwas für daS Reich wert, aber ganz abgesehen davon handelt es sich hier um eine Dankesschuld und Pflicht, und die sollte eine gute Regierung nicht verabsäumen, einzulösen.
Zur Psyche der Serben. Eine völkerpsychologisch-politische Skizze von vr. R. F- Kaindl. In meinen Ausführungen in diesen Blättern Nr. 14 habe ich nach meiner volkskundlichen Erfahrung und geschichtlichen Erkenntnis eine kurze Charakteristik der Serben geboten, ihre Leidenschaftlichkeit, ihre Neigung zum Umsturz und zu Gewalttaten, das starke Hervortreten kirchlicher Einflüsse und ihre Zu- gänglichkcit für maßlose Agitation geschildert. Dabei wurde das neue Werk über die „Südslawische Frage" von „Südland" (einem Südslawen) gebührend berücksichtigt. Auch die Bedeutung der deutschen Ansiedlung und deutscher Einflüsse für die südöstlichen Gebiete wurde betont. Trotz der ruhigen Sachlichkeit dieser Ausführungen erhielt ich eine anonyme Zurechtweisung, die nicht gerade in gewählten Worten gehalten war.