Beitrag 
Verhandlungen und Tatsachen
Seite
49
Einzelbild herunterladen
 

Verhandlungen und Tatsachen

von Großadmiral von Tirpitz sie deutsche Negierung hat sich der Tagespresse zufolge in Verhand- 1 lungen mit der französischen hinsichtlich der finanziellen Bedingungen des Friedensvertrages begeben. Sie hofft außerdem auf das Zustandekommen der in Spa in Aussicht gestellten Konferenz I über dieselbe Frage mit den Vertretern aller feindlichen Re­gierungen. In diesem Zusammenhang ist in der deutschen Presse eine Fülle von Auslassungen erschienen, um der Welt und besonders unseren Feinden den Nachweis zu bringen, daß der Versa'ller Frieden unausführbar sei, und Deutschlands Wirtschaft durch ihn zum Stillstand käme. Nach ähnlicher Methode versuchten wir auch während des Kneges den Nachweis zu erbringen, daß wir den Ausbruch desselben weder erstrebt noch veranlaßt hätten, daß wir uns nur verteidigen wollten und daher keine Verbrecher wären. Wir übersahen, daß die Leitung unserer Feinde das alles auch ebemo, wenn nicht noch besser wußte als wir selbst, und sie uns nur deshalb nicht glauben wollten, weil das ihren eigenen Absichten nicht günstig schien. Ebensowenig werden uns jetzt irgendwelche Appelle an höhere Überlegung oder an die Großmut unserer Feinde E> leichterung der Fronbedingungen bringen, welche die derzeitigen MachthaberDeutschlands grundsätzlich anerkannt haben.

Die Entscheidung der kommenden Monate ist vielmehr lediglich darauf ein­gestellt, ob unsere Feinde, deren Wesen in dem Dioskurenpaar Clemenceau und Lloyd George personifiziert ist, den größeren Vorteil in der völligen Vernichtung Deutschlands und des Deutschtums sehen, oder ob sie ein etwas gemäßigteres Sklaventum des deutschen Volkes für angenehmer und materiell lohnender halten. Bloße Deklamationen werden uns sicher nicht helfen, sie schaden vielmehr. Tat­sächlich ist die Methode, die mit der Erklärung unseres Unrechts an Belgien begann, in der Juli-Resolution 1917 den Verlust des Krieges nach sich zog und im Herbst 1918 ins Groteske gesteigert wurde, die Hauptursache der verzweifelten Lage, in der wir uns heute befinden. Diese Geistesrichtung, welcher leider auch ein erheblicher Teil unserer Intelligenz folgt, hat den Sieg der Revolution erst ermöglicht und als Folge dieses Verbrechens an unserem Volk die Notwendigkeit Grenzboten IV 1920 4