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Theodor Körner : zu seinem hundertsten Todestage
(26. August)
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Maßgebliches und Unmaßgebliches

Seite gestanden und ihn davor bewahrt, einMacher" zu werden und in seichte Dramenschreiberei auszuarten.

Für uns liegt, wie ein feinsinniger Kenner, Fritz Jonas, einmal bemerkt hat, Körners eigenartige Bedeutung in der Verbindung seiner dichterischen Be­gabung mit einer todesmutigen vaterländischen Begeisterung.

Vielleicht hat Wilhelm von Humboldt das Richtige getroffen, wenn er nach dem Fall des Jünglings an seine Gattin Karoline schreibt:Je öfter ich an ihn denke, desto mehr finde ich ihn glücklich, so geendet zu haben. Überhaupt heiligt nichts so ein Leben als der Tod, und es ist wunderbar, wie ihm viele Menschen so gram sind. Körner ist nun wirklich zu einer vollendeten Gestalt geworden: Jugend, Dichtung, Vaterlandsliebe, Tapferkeit haben sich zu diesem einen frühen Leben verschlungen. Wäre er leben geblieben, hätte sich das Ma­gische, das jetzt die beiden letzten Eigenschaften haben, in etwas ganz Gewöhn­liches verloren, was er mit vielen andern geteilt hätte; die Entwicklung der Dichtung blieb zweifelhaft, und die Frische der Jugend verging" (Svdow, Wilhelm und Karoline von Humboldt in ihren Briefen. Band IV, Seite 379).

Maßgebliches und Unmaßgebliches

Tagssfragen

August Bcvcl 1'. Auch mit diesem Toten ist ein Mann aus großer Zeit ins Grab ge­sunken. Er war unser, des Bürgertums er­bitterster Feind, aber er war es aus tief­innerer Überzeugung. Einseitig beeinflußt machte er allein die bürgerliche Gesellschaft dafür verantwortlich, daß es Hunderttausenden seiner Volksgenossen schlechter ging, als sie es verdienten. Eingeengt durch die Verhältnisse seiner Drechslerwerkstatt, die ihm keine Über­sicht über die Möglichkeiten der neudeutschen Entwicklung auch für das Proletariat gab, wähnte er seine Ideale mit Hilfe des Inter­nationalismus verwirklichen zu können, der wie ein blinkender Himmelsstreifen fern über den kleinen Verhältnissen des Heimatortes lachte.

So hat er sich schon frühzeitig im Gegen­satz zur Mehrheit seiner Nation gebracht, deren Söhne gerade damals sich anschickten, den Reichsbau zu schaffen, in dessen Grenzen sich alles zu verwirklichen vermag, was die ar­beitenden Klassen an wirtschaftlicher und kul­tureller Hebung an persönlichen und politischen

Freiheiten überhaupt nur erwarten können. Bebels Verhängnis war es, daß er, besonders nach Durchführung der großen sozialpolitischen Gesetze in den 1890er Jahren nicht den Weg zur praktischen Mitarbeit im Reiche fand. Wie er sich einst das Verdienst erwarb, durch seine begeisternde Agitation die Massen der Hoffnungs­losigkeit ihres Daseins entrissen zu haben, indem er ihnen zwar ferne aber doch lockende Ziele wies, so konnte er durch rechtzeitiges Paktieren mit dem bürgerlichen Staat sich den Lorbeer eines Staatsmannes erringen. Aber da hat er versagt. Nicht aus kleinlichen oder gar unlauteren Motiven Bebel ist dazu ein viel zu deutscher Mann geblieben, aber weil sein Wünschen die Phantasie so stark be­herrschte, daß er als politische Realität ansah, was doch nur als ein Traum seiner Jugend angesprochen werden konnte. Bebel hat Wohl erst in den allerletzten Jahren seines Lebens einzusehen begonnen, daß seine Kladde­radatschtheorie in Deutschland immer weniger Aussicht auf Erfüllung haben könnte. Die politischen Konsequenzen hat er jedenfalls aus solcher Erkenntnis nicht gezogen. Darum scheidet er auch belastet mit dem Vorwurf, ein