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Reichsspiegel :
(vom 18. November bis 25. November)
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Reichsspiegel

(vom 18. November bis 25. November) Deutschlan d un d der österreichisch-serbische Konflikt

Dieser Tage setzte mir ein Freund der Grenzboten die Aufgaben Deutsch­lands im Angesicht der Balkankrise wie folgt auseinander: Kleinasien sei das letzte Stück Erde, um das die europäischen Großmächte zu kämpfen haben, das infolgedessen auch noch in den Besitz Deutschlands gebracht werden könnte; daher sei es Deutschlands Pflicht, Österreich auf allen seinen Wegen im Orient zu folgen und ihm besonders in seinem Streit mit Serbien den Rücken zu stärken; Österreich werde zur Durchsetzung seiner Interessen auf der Balkanhalb­insel vor den: Kriege nicht zurückschrecken, wenn es Deutschlands militärischer Unterstützung sicher sei; in Anerkennung dieser Unterstützung würde Österreich uns helfen, Kleinasien zu gewinnen. Die Auffassung unseres Freundes steht nicht allein da; sie stellt vielmehr die Auffassung weiter Kreise in Deutschland dar. In ihrer einfachen Gradlinigkeit hat sie zweifellos etwas sehr Bestechendes an sich. Eine nähere Überlegung zeigt indessen, daß die Auffassung vor den Aufgaben der Praxis nicht standhält. Was gefordert wird ist nicht mehr und nicht weniger, als daß Deutschland sein Selbstbestimmungsrecht ohne weiteres in die Hände der österreichischen Staatsmänner legen solle. Aber noch mehr: die hier Deutschland zugedachte Aufgabe steht im gegenwärtigen kritischen Augenblick gar nicht zur Erörterung.

Wie ist denn die Lage?

Österreich hat in Albanien und an der Adria politische und territoriale Interessen, die durch die siegreichen Serben bedroht sind. Im übrigen sind Deutschland und Österreich als Exportländer von Jndustrieprodukten im nahen Orient Konkurrenten. Im Vertrauen auf die Tüchtigkeit des türkischen Heeres und auch in der Hoffnung, den Balkanbund von einem Kriege zurückzuhalten, hat sich die Diplomatie der Großmächte auf die Formel des 8tatu8 quo geeinigt, wonach selbst ein siegreicher Balkanbund auf keinerlei territoriale Erwerbungen auf Kosten der Türkei rechneu sollte. Die unerwartet großen Erfolge Bulgariens und die scheinbar vollständige Auflösung der türkischen Grenzboten IV 1S12 56