Maßgebliches und Unmaßgebliches
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aus einem hämischen Anonymus machen, der ihn in einer unbekannten Zeitung angriff; aber wenn die Nerven überreizt sind, kommt der Becher schnell zum Überlaufen.
Der Professor sah mich mit seinen blinzelnden Augen an.
Wie recht haben Sie, schöne Frau, daß man sich nicht um einen anonymen Angriff grämen soll. Mau tut es eigentlich auch nur, wenn man sich getroffen fühlt, und dieser Fall ist hier ja ganz ausgeschlossen. War diese Dame nicht die Fürstin Monreal mit ihrem Gemahl?
Ich bejahte kurz, und Herr Müller blieb noch neben mir stehn.
Die Fürstin ist wirklich eine vornehme Erscheinung. Nicht gerade hübsch, aber voll von Nasse. Dem alten Fürsten sieht man nicht an, daß er ein so wertvolles Archiv besitzt.
Ich weiß nicht, wie mir plötzlich der Gedanke an die vergifteten Zuckerplätzchen kam, von denen Bodild sagte, daß mau sie seinen Widersachern geben müßte. Aber ich zwang mich zu einem halbwegs freundlichen Lächeln.
Die Fürstin möchte Sie gern kennen lernen, Herr Professor. Sie fragte mich, ob ich Sie beide nicht zusammen einladen wollte. Das kann ich nicht gut, aber wenn Sie Ihren Besuch auf Schloß Mieden machen wollen, müsse» Sie sich beeilen. Die Herrschaften werden sehr bald wegreisen.
(Fortsetzung folgt)
Maßgebliches und Unmaßgebliches
Reichsspiegel Berlin,12. Juli 1908
(Zur Reichsfinanzreform. Die neue Krisis im Deutschen Flottenverein.)
Wir erwähnten schon in der letzten Betrachtung, daß die Zeit, die jetzt herannaht, nur äußerlich eine Zeit der Stille und der Ereignislosigkeit auf innerpolitischem Gebiete ist. In Wahrheit ist es eine Zeit der Vorbereitung der Mobilmachung und des Aufmarsches für den parlamentarischen Winterfeldzug. In diesem aber steht uns ein großer Entscheidungskampf bevor, der Kampf um die Reichsfiuanz- refvrm. Er muß diesmal zu einem guten Ende geführt werden, denn das Wort, das man in politischen Waffengängen so oft hört, ohne daß es gerade besonders ernst genommen wird, nämlich die Redewendung: „So wie bisher kann es nicht weitergehn!" — dieses Wort ist hier im allerbittersten Ernst zu versteh».
Die Gefahr, die vor allem überwunden werden muß, ist die, daß der Ernst dieser Lage nicht überall in vollem Umfange erkannt wird. Die Regelung der Finanzfrage steht in engem Zusammenhange mit der sozialen Frage und in der auswärtigen Politik mit dem Ansehen des Reichs. Denn die Behandlung der Steuerfragen ist die beste Gelegenheit, sozialen Unfrieden zu stiften, und das Ausland hofft, wie wir schon neulich erwähnten, daß sich aus unsern Finauznöten, von denen man sich außerhalb der Rcichsgrenzen eine ganz falsche Vorstellung macht, über kurz oder lang der Zusammenbruch unsrer gefürchteten militärischen Macht und eine dauernde Schwächung des deutschen Wettbewerbs im Welthandel ergeben werde. Deshalb müssen wir auf dem Gebiete der Finanzen endlich zu klaren, fest- geregelteu Zuständen kommen.
Man möchte freilich erstaunt fragen: Ist es denn überhaupt möglich, daß ein Politiker die ernste Bedeutung dieser Frage verkennt und die Gesundung unsrer Grenzboten III 1908 19