Lozialpsychologische Lindrücke aus deutschen Großstädten
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Aber das Beste hat der Dichter damit geleistet, daß er aus dem Bischof emen deutschen Kaiser gemacht hat; so ist es zugleich das letzte große poetische Dokument des sehnsüchtigen Patriotismus vor der Erneuerung des Reichs durch die milde, erst nach schweren Proben zur höchsten Würde berufne Heldengestalt Wilhelms des Ersten geworden. Daß das Gedicht so wenig bekannt ist, daran ist wohl seine majestätische Einfachheit schuld, in der es auf jedes andre Wirkungsmittel als den Geist seines Schöpfers verzichtet.
So können wir sagen, daß jeder große Balladendichter ihr auch eine neue eigentümliche Färbung gegeben hat, und man könnte auch kurz die Wirkung ihrer Art so charakterisieren: Bürger gibt bewegte Bilder, er wendet sich an die Phantasie. Goethe ergreift den Menschen vor allem mit allen Sinnen und mit der Empfindung, Schiller richtet sich kühler an die siegende Vernunft, Uhland will auf das Gemüt wirken. Annette auf ein feines speziell modernes Gefühl, darin dem Impressionismus verwandt. Hebbel aber richtet sich auch m der Ballade an den Willen. Hebbel als Erzieher — das könnte vielleicht der Titel eines der schönsten Bücher sein, das noch zu schreiben wäre.
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Sozialpsychologische Gindrücke aus deutschen Großstädten
von Aarl Dieterich München 2
ine hohe soziale Bedeutung haben für München noch die Klöster; sie nehmen sich besonders der Speisung der Armen an und unterhalten auch eigne Armenschulen für Waisen, in denen diese für einen Beruf vorgebildet werden. Und wenn man sich erinnert, daß München eigentlich bedeutet ..zu den Mönchen", so wird der kulturhistorische Beobachter nicht verächtlich lächeln, wenn er neben sich m der Trambahn plötzlich einen Mönch in der Kutte sitzen sieht, sondern wird auch dann eine ehrwürdige historische Rcminiszenz sehn, so anachronistisch sie auch Mrkt.
Manches erinnert in München an den italienischen Süden: die Übertragung kirchlicher Gebräuche aus weltliche Organisationen bei feierlichen Veranlassungen, wie beim Fronleichnamsfest, wo sich die Universität in eoi-xore an der großen Prozession beteiligt, die sich durch die Ludwigsstraße nach der Theatinerkirche bewegt, oder am Allerseelentage, wo an den prächtig, ja oft protzig geschmückten Gräbern Lampen brennen und Betfrauen den ganzen Tag Gebete herleiern. Südlich ist auch der Gebrauch, die Gestorbnen nicht vom Trauerhause, sondern