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Wanderungen in der Niederlausitz : 5. Vom Schwielochsee zur Schwarzen Elster
(Schwielochsee, Lübben, Luckau, Lebusa, Schlieben, Herzberg)
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Eine sonderbare Geschichte

bestand, der saft- und kraftstrotzend aus dem wvhlbewässerteu, durch tausendjährige Verwesung von Holz und Laub entstandnen Boden emporgewachsen ist, ein Nest des alten Spreewaldes, der einst das ganze zwischen Berste und Spree liegende Gelände einnahm. Hier wandert man unter gigantischen Eichen und Ulmen, nn denen wieder ein von Nachtigallen durchtöntes Unterholz emporstrebt und auch am Tage die Pfade nnt einem geheimnisvollen Halbdunkel erfüllt, die rechte Beleuchtung für den bemoosten Stein der Göttin Ljuba. Im obern Teile des Hains liegt ein alter Kirchhof, der weihevollste, den ich in der Niederlausitz gesehen habe. Eicheu- und Akaziengebüsch, Trauerweiden, Cypressen und Flieder bilden hier ein so dichtes Blätterdach, daß das Ganze einem Urwald gleicht, in den einzelne Gräber hinein­gepflanzt sind. Manche efeubewachsene Gruft liegt hier auch unter der Sonne des Mittags im tiefsten Schatten, weil sich das rosendurchflochtne Grün wie eine un­durchdringliche Kuppel darüber wölbt; manches Kreuz sieht man mir in unklarer Verschleierung, weil die Schlingpflanzen einen dichten Mantel darum gewoben haben. Als ich am Abend die denkwürdige, mit vielen edeln Namen gezierte Stätte noch einmal besuchte, war der Himmel bedeckt, kein Lüftchen rührte sich in der linden Sommernacht, nur verstohlne Strahlen des Mondes durchirrten das dunkle Grün es war eine Lenauisch-Matthissousche Stimmung, in der man auch Ernst von Hou- wald einigermaßen begreift. Ich sehnte mich inmitten der Grabesstille nach einem Laut des Lebens: da klang aus einem Fenster der nahen Jägerkaserne ein weicher Trompetenton zu mir herüber ein vom Heimweh gepackter Hornist blies das Scheffelsche Abschiedslied des Tronipeters in sanften, lang aushallenden Tönen hinaus iu die Nacht, seine Spreewaldliebste zu grüßen.

(Schluß folgt)

Eine sonderbare Geschichte

(Schluß)

^ er Assessor war über die Belehrung etwas verstimmt. Daß doch die Herreu von der Pädagogik, sagte er, immer den Mund voll roter Tinte haben müssen, mit der sie alles kritisch begeifern! Das hindert glücklicherweise nicht, daß sie sonst sehr angenehme Herren sein können. Ich hatte mal einen als Schöffen. Wirklich ein sehr > netter, sehr intelligenter Herr. Sein Mitschöffe allerdings das gerade Gegenteil, mehr Schöps als Schöffe. Wenn sich der Gerichtshof zurückgezogen hatte, mußte ich allemal ein bißchen weit ausholen, um dem Herrn den Fall einigermaßen klar zu machen. Als ich nun nach Schluß der Verhandlungen mit dem Oberlehrer einen gemütlichen Schoppen trank, konnte er nicht genug Lob finden für mein pädagogisches Geschick seinem Mitschöffen gegenüber und be­dauerte bloß, daß ich mich bei meiner hervorragenden Befähigung nicht dem höhern Lehrfach gewidmet hätte. Nee, da müßte ich ja Tinte gesoffen haben, und noch dazu rote. Trotz ihrer kritische» Neigungen sind und bleiben die Lehrer doch nur Unterrichter.

Ganz recht, sagte der Kandidat. Also sind Oberlehrer Oberunterrichter. Da man nun ober und unter gegeneinander streichen kann, so läßt sich wenigstens mathematisch gegen die Gleichstellung der Oberlehrer mit den Richtern nichts ein­wenden.

Um also auf den Norweger Nansen zurückzukommen (der Assessor sprach die beiden Hauptwörter mit scharfem Nachdruck), so ist ja das mal einer, vor dem