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Gewinns und die reine Instrumentalmusik.
„Händel und Shakspeare" von Gewinns. (Leipzig, 1868)
In seinem Vorwort, der Zueignung an Chrysander, läßt sich Gewinns also vernehmen: „Ihnen ist bekannt, daß ich über Musik nur als ein Laie spreche, dessen Interesse in dieser wie in jeder anderen Kunst nur auf die Kunst und durchaus und -in keiner Weise auf die Technik und Wissenschaft geht, von der ich so gut wie Nichts verstehe. Wo ich je unternommen habe, über musikalische Gegenstände zu reden, habe ich stets in einseitigster Strenge diesen einseitigen Laienstandpunkt der bloßen Betrachtung des geistigen Gehaltes, der ästhetischen Bedeutung, des eigentlichen Kunstwerthes musikalischer Werke eingehalten. So thue ich auch hier. Und ich höre schon die geringschätzigen Rügen dieser Einseitigkeit von Seiten der Kenner und Meister, denen ich nur zu bedenken gebe, daß die bloße Möglichkeit, die bloße Neuheit eines solchen einseitigen Standpunktes nach so vielen Jahrhunderten, ja Jahrtausenden musikalischer Praxis unstreitig doch eine unendlich größere, eine säculare Einseitigkeit von der andern Seite beweist". Und weiter, nachdem er den „mitrathenden und mitthatenden, ja den geradezu bahnbrechenden" Einfluß der Laien hervorgehoben, fährt er fort: „Sie verargen mir daher selbst den Ton der Zuversicht nicht, mit dem ich den Stand der Laien zu vertreten unternehme.......Gleichwohl bleibt mir ein Zweifel der Bescheidenheit zurück: es hätte ein Berufnerer dieses Schweigen brechen sollen." Nachdem er die Schwierigkeit des ganzen Unterfangens, „die fast unmögliche Ausstattung von Geist und Wissen" betont, „die zusammengeschossenen Kräfte eines Physikers und Physiologen, eines menschenkennenden Philosophen und Psychologen, eines Meisters der musikalischen Technik" u. s. w., und bekannt, daß er sich in „keinem einzigen dieser Fächer eigentlich zu Hause weiß", tröstet er sich damit, „daß in diesem Momente bei der maßlosen Verirrung und Verwirrung des musikalischen Kunsturtheils Nichts vielleicht übler angebracht wäre als eine tiefe Grundlegung zu einem festen wissenschaftlichen Bau, wo eher ein rasch aufgeführtes Schirmdach am Orte scheint, unter dessen Schutz man die Fundämentirung eines monumentalen Gebäudes beginnen mag."
Dieses „rasch aufgeführte Schirmdach" hat Gervinus in seinem 496 Seiten umfassenden Buche mit dem „Tone der Zuversicht" zu geben versucht. Die das Buch mehr als alles Uebrige charakterisirende Vorrede schließt, nachdem Gervinus die Sorge ausgesprochen, daß auch Chrysander bei diesem seinM Versuche „die Grundlinien der Kunst zu zeichnen" einigen Widerspruch erheben möchte, mit folgendem herausfordernden Passus: „Wäre