2«!>
Die ungarischen Volksschulen.
Aus Ungarn. Ende October.
Der Kampf, der hierzulande gegenwärtig auf dem Gebiete des Volks- Unterrichts entbrannt ist, verdient es aus vielfachen Gründen, daß auch das Ausland von ihm Notiz nimmt. Ueberall wo Staat und Kirche in Conflict gerathen, darf die lebhafte Theilnahme Aller vorausgesetzt werden; tritt dann noch hinzu, daß die Schule den Zankapfel bildet, so steigert sich das Interesse in dem Maße als aller Fortschritt solidarisch und die Culturelemente aller Länder in Wechselwirkung stehen. Die Angriffe vollends, welche in diesem Momente der Volksschulenentwurf unseres Cultusministers erfährt, bieten ganz sonderbare, auf eine unserer großen politischen Parteien wunderliche Streiflichter werfende Erscheinungen. Derselbe Gesetzentwurf nämlich, den die katholische Hierarchie mit tiefem Grollen aufnimmt, er muß sich gleich- Zeitig auch die heftigsten Vorwürfe von protestantischer Seite gefallen lassen, und wer in erster Reihe unter der Fahne der kirchlichen Autonomie und Zum Schutze der „consessionellen Schule" gegen Baron Eötvös zu Felde Sieht, ist kein Anderer, als der protestantische Curator und Führer der Reichs- tags-Linken, Herr Koloman von Tisza. Es geschieht so das Unglaubliche: ultramontane Federn posaunen das Lob des Curators der reformirten Kirche aus und das Haupt der Linken findet seine kräftigsten Stützen in den Zse- denyi's und Somssich's der äußersten Rechten; unter dem Zujauchzen der Römlinge wird das in blutigen Kämpfen gegen sie errungene Panier der protestantischen Autonomie entfaltet, der Gesetzentwurf aber, welcher das Princip der Lehr- und Lernfreiheit bis auf die Elementarschule herab verpflanzt und die politische Gemeinde ganz autonom ihre Schulen — freilich nicht-confessionelle — organisiren läßt, stößt auf die heftigste Opposition Jener, die gewohnt sind, der Deäkpartei gegenüber sich mit dem ausschließlichen Privileg echten Liberalismus zu brüsten. Zur Beschönigung dieser Ungeheuerlichkeit greift Tisza zur bekannten, in der reactionären Rüstkammer stets vorräthigen Waffe, zur Behauptung nämlich: „der geringere oder größere Grad von Freiheit sei nicht der alleinige Maßstab, um den Werth von Institutionen und Gesetzen zu schätzen." Wenn irgendwo, gilt aber hier das lui s'exeuse s'aeeuss und die angeführte Behauptung ist wohl die prägnanteste Charakterisirung all' des mittelalterlichen Staubes, den der Führer der Linken diesmal aufgewirbelt — zur Rettung des Protestantismus, wie der Herr Curator vorgibt, in Wirklichkeit aber zur Erniedrigung des echten protestantischen Geistes, der. im Gegensatz zu seinem jüngsten Interpreten, den neuzeitlichen Anforderungen des Staats an die Volksschule nicht nur