Ein neues Buch von Otto Iahn.
Aus der Alterthumswissenschaft. Populäre Aufsätze von Otto Iahn. Mit acht Tafeln Abbild, und einigen Holzschnitten. Bonn, Adolph Marcus 1868.
Die Grenzboten sind in der angenehmen Lage, dies neue Werk ihres Mitarbeiters gewissermaßen als ein Hausinteresse des Blattes zu betrachten. Denn ein großer Theil der Aufsätze, welche hier verbunden erscheinen, ist zuerst in den grünen Heften dem Leser werth geworden, und die Zeitschrist darf heut mit Selbstgefühl daran erinnern, daß sie in dem Merteljahrhun- dert ihres Bestehens einer langen Reihe ehrenwerther und wirksamer Bücher in ähnlicher Weise eigenes Leben vorbereitet hat. Solche Entstehung eines Buches aus den Aufsätzen einer Zeitschrift hat sich sehr selten so gemacht, daß unser Blatt ein in der Hauptsache fertiges Werk stückweise mittheilte ; fast immer sind die Mitarbeiter durch den Antheil, welchen einzelne Aufsätze fanden^ und durch die bescheidenen Mahnungen der Redactivn allmälig so weit gekommen, daß ihnen selbst die geschriebenen Stücke in innern Zusammenhang traten, und der Entschluß reifte, das Zerstreute zusammenzuschließen, und für ein geschlossenes Ganze zu vertiefen. So geschah es auch mit dem vorliegenden Buche.
Denn die Aufsätze desselben sind nicht nur zufällig aneinander gereiht, sie sind durch gemeinsamen Inhalt und eine bestimmte Tendenz verbunden. Diese ist in dem Werk so sehr Hauptsache geworden, daß auch das früher Gedruckte hier in anderer Beleuchtung geboten wird und ein neues Interesse beanspruchen darf. Wie Formen und Inhalt der antiken Kunst seit dem Beginn unserer Alterthumswissenschaft von Gelehrten und Künstlern verarbeitet wurden, das wird in übersichtlicher Darstellung und an einzelnen Beispielen gezeigt; dann, wie das Verständniß des Alterthums sich unablässig erweiterte. Wie jede Zeit neue Gesichtspunkte in Beurtheilung der Vergangenheit gewann, und wie unendlich viel Schönes, welches in irgend einer Vorzeit geschaffen war, in dem Menschengeschlecht fortlebte und immer aufs Neue dem Gelehrten Gedanken, dem Künstler Motive gab. Während so erhellt, wie segens- Grenzboten IV. 18K8. 31