127
naheliegende Betrachtung folgt, wird der Brief eines langjährigen Corre- spondenten d. Bl. mitgetheilt, welcher uns genau die Stimmung der Deutschen in Böhmen auszudrücken scheint.
AusKöniggrätz. III.
Endlich hat der ezechische Leu für seine Tücken eins auf die Pfoten bekommen. Mit andern Worten, die Regierung hat sich gezwungen gesehen, das Vereins- und Versammlungsrecht nebst einigen anderen Rechten in Prag zu suspendiren, und Feldmarschall-Lieutenant v. Kollar, seinem Rufe nach ein zweiter Windischgrätz, thront als Statthalter in der böhmischen Hauptstadt.
Den unmittelbaren Anlaß zu diesen Maßregeln gaben die letzten czechi- schen Auftritte in Prag. Am 4. Oct. wurde der Versuch gemacht, ein gesetzwidriges Meeting vor den Thoren zu veranstalten. Vor dem Veto, welches drei Bataillone Infanterie und eine Schwadron Husaren einlegten, stob die ungeheure Volksmasse zwar auseinander, aber sie strömte in das Innere der Stadt, zerstörte hier die Wohnung eines deutschen Redacteurs und zerschmetterte die Fensterscheiben verschiedener mißliebiger Institute, wie z. B. des deutschen Castnos, wo ein faustgroßer Kieselstein einen langsam flüchtenden alten Herrn glücklich am Schädel traf. Die städtische Polizei steht unter dem von der Gemeinde erwählten Bürgermeister; und da Dr. Claudi, der gegenwärtige Lord-Mayor, ein gewitzigter Mann ist, der wegen einer Anwandlung von Unparteilichkeit schon einmal in Gefahr schwebte zu täglicher Katzenmusik und lebenslänglicher UnPopularität verurtheilt zu werden, so sah die Polizei zu und lächelte. Die Bewegung hatte somit einen nach ezechischen Begriffen glänzenden Triumph errungen, und den Führern schwoll der Kamm. Sie forderten ihren Troß zu neuen Meetings desselben Charakters auf, und diesen Plänen ist von Wien aus ein militärischer Riegel vorgeschoben worden.
Die Wurzel des Uebels liegt darin, daß die ezechische, besser die czechoma- nische Logik andere Gesetze hat als die deutsche. Es gibt ezechische Begriffe, die man außerhalb Czechiens kaum für möglich hält. Wenn Einer aber mit den Patrioten auf dem Lande einigemal politisirt, so wird er bald belehrt. „Wenn's hätten kein Militär geschickt" sagte Czapka, der Jnstrumenten- macher, „wär' kein Scandal gewesen." Verzeihung, Herr Czapka, gab es keinen Scandal in Chlum, keinen in Hochstadt, keinen in Kosteletz und bei andern Massenmeetings in diesem Sommer? Da erschien überall anstatt des Militärs ein einzelner wehrloser Beamter, der den Leuten gütlich erklärte, daß und warum die Versammlung gesetzwidrig sei. Was war die Folge? Der Bezirksvorsteher, Herr Smolarz, wurde von dem Kaufmann Labskt von