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ständig gewöhnt, daß Preußen keinen Geschäftsträger nach Lissabon zusenden wagt, ehe in Petersburg und Wien angefragt worden.
Das ist im Wesentlichen das Bild, welches die Varnhagen'schen Blätter von dem Zustande entwerfen, in welchem Preußen sich zehn Jahr nach der Schmach der Franzosenzeit befand und wir haben dieses Mal kaum ein Recht, den Berichterstatter der Parteilichkeit anzuklagen; sein Zeugniß wird von hundert anderen gleichlautenden Zeugnissen unterstützt. Eine Frage läßt Varnhagen freilich unbeantwortet, die, wie es möglich gewesen, daß ein so schwer erkrankter Staat sich durchgearbeitet hat und zu dem Baum geworden ist, nach dessen Schatten sich schon fünfundzwanzig Jahre später alle diejenigen sehnten, denen es mit ihren Wünschen für ein freies und einiges Deutschland Ernst war.
Literatur.
Aus Spanien. Von Gustav Körner, Gesandten der Vereinigten Staaten von Nordamerika zu Madrid in den Jahren 1862, 1863 und 1864. (Frankfurt a. M. I. D. Sauerländer.)
Bei dem lebhaften Interesse, mit welchem seit der Katastrophe Von Cadiz den Vorgängen in Spanien zugesehen wird, halten wir es für Pflicht, auf ein im vorigen Jahre erschienenes Werk über die iberische Halbinsel hinzuweisen, das den ehemaligen amerikanischen Gesandten in Madrid Gustav Körner zum Verfasser hat und trotz der Kürze, mit welcher der politischen Verhältnisse der Gegenwart und der leitenden Persönlichkeiten gedacht wird, in vielfacher Beziehung instructiv ist. Die Interessen des Autors sind in erster Reihe den reichen in den Museen Madrids aufgehäuften Kunstschätzen der Heimath Vclasquez's und Murillo's und den socialen Zuständen Spaniens zugewandt; bei der Stellung, welche er Jahre lang als Vertreter der mächtigen transatlantischen Republik eingenommen, hat aber nicht ausbleiben können, daß Herr Körner mit der politischen Lage des spanischen Staats und den einzelnen leitenden Persönlichkeiten genau bekannt wurde. Seine persönlichen Beobachtungen hat der Verfasser mit der glücklichen rücksichtslosen Offenherzigkeit niederlegen können, deren sich ein amerikanischer Diplomat erfreut, sobald er sein Amt niedergelegt hat. Wir heben in dieser Beziehung vier Abschnitte von besonderem Interesse hervor: „die Kaiserin Eugenie in Madrid (October 1864)" „M äos äs „Spanische Zustände" (1865) und „Spanische Silhouetten" (1866).
Diese Capitel enthalten neben lehrreichen Excursen über die jüngste Geschichte des Königreichs eine größere Anzahl kurz gedrängter, aber sehr schlagender Mittheilungen über die Glieder der königlichen Familie und die hervorragendsten Generale und Parteiführer, als O'Donnell, Pnm, Serrano, die beiden Concha, Bermudez de Castro u. s. w. Die gefällige Art der leichten, - anspruchslosen Darstellung wird dem Buche ebenso viele Leser zuführen, wie der interessante, zum größten Theil mit erwiesener Sachkenntniß behandelte Stoff.
Verantwortliche Redacteure: Gustav Freytag u. Julius Eckardt. Verlag von F. L. Herbig. — Druck von Hüthel Segler in Leipzig.