Beitrag 
Die englischen Dialekte.
Seite
263
Einzelbild herunterladen
 

868

Die englischen Dialekte.

Koch C. Fr., historische Grammatik der englischen Sprache I. Bd.; Die Laut- und Flexionslehre der englischen Sprache. Weimar, Böhlau.

Verglichen unter einander und als Objecte der Naturkunde des Geistes betrachtet, nach der Analogie ihres innern Baues in Familien gesondert, sind die Sprachen," sagt Alexander von Humboldt im zweiten Theile seines Kosmos, eine reiche Quelle des historischen Wissens geworden. Eben weil sie das Pco- duct der geistigen Kraft des Menschen sind, führen sie uns mittelst der Grund- züge ihres Organismus in eine dunkle Ferne, in eine solche, zu welcher keine Tradition hinaufreicht. Das vergleichende Sprachstudium zeigt, wie durch große Länderstrecken getrennte Volksstämme mit einander verwandt und aus einem ge­meinsamen Ursitze ausgezogen sind, es offenbart den Weg und die Richtung alter Wanderungen, es erkennt, be» Entwickelungsmomenten nachspürend, in der mehr oder minder veränderten Sprachgestaltung, in der Permanenz gewisser Formen oder in der bereits fortgeschrittenen Zertrümmerung der Auflösung des Formensystems, welcher Volksstamin der einst im gemeinsamen Wohnfitze üblichen gemeinsamen Sprache näher geblieben ist." Die Sprachen so in ihrer histo­rischen Entwicklung zu betrachten ist eine der refultatvollsten Arbeiten der neue­ren Zeit, der letztverflossenen siebzig bis achtzig Jahre. Vor allen waren es Männer deutscher Wissenschaft, welche das vergleichende Sprachstudium schufen und förderten. Immer mehr Sprachen wurden in das Bereich scharfsinniger Forschung gezogen, nie geahnte Resultate erzielt, eine große neue Wissenschaft ist erstanden.

Eine bislang fühlbare Lücke ist durch Kochs historische Grammatik der eng­lischen Sprache ausgefüllt worden für die Sprache, welche die Vermittlerin germanischen und romanischen Elementes ist. Auf die Sprache wirkt nicht nur die ursprüngliche Anlage, die Stammeseigenthümlichkcit ein, sondern jede durch die Zeit herbeigeführte Abänderung der innern Richtung und jedes äußere Ereigniß, welches die Seele und den Geistesschwung der Nation hebt oder niederdrückt, vor allem aber der Impuls ausgezeichneter Köpfe. Dies Alles läßt sich bei der englischen Sprache sehr gut verfolgen, man denke an die vielen Einwanderungen, an das Ringen des germanischen und romanischen Elementes, um die Oberhand zu gewinnen, an die große Geschichte des Volkes, an die Mannhaftigkeit und den Adel der geistigen Arbeit, welche sich in der Sprache Englands niedergeschlagen haben.

Das erwähnte Werk hat auch die Mundarten in den Bereich seiner