Bewegungen im Protestantismus Frankreichs.
1°. Lolani, .lösns-LIn'ist. et lös oro^irnoss moWilmiHuss 6v so» tsmxs. Ltrasbourg 1864.
Es würde uns schleckt anstehen, wenn der blendende Glanz des Renanschen Buches uns dasjenige übersehen l'eße, was sonst die französische Wissenschaft auf dem Gebiet der Erforschung des Urchnstenthuins zu Tage fördert, oder wenn wir wegen des vielfach Verfehlten, wodurch Renan allerdings bei uns mehr ein zweideutiges Renommee erlangt hat, die üverrhcinischcn Leistungen sammt und sonders über die Achsel ansehen wollten. Mit Recht ist von französischen Beur- thcilern bemerkt worden, das; in der Vie äs ^sus an manchen Punkten unvermerkt der Katholik, der unter dem savimt, ä6smt6rW8« verborgen steckt, zum Vorschein komme. Die tiefe Kluft zwischen dem orthodoxen Katholicismus und der modernen Bildung, welche doch nur durch die Entwicklungen des Protestantismus organisch ausgefüllt ist, konnte der ehemalige Seminarist von St. Sul- pice nicht ungestraft überspringen. Auch in Frankreich ist deshalb Renan gewissermaßen eine abnorme Erscheinung, und wir haben allen Grund uns zu dem französischen Protestantismus zu wenden, wenn wir von dem wissenschaftlichen Stand der urchristlichen Fragen in Frankreich einen richtigen Begriff erhalten wollen.
Damit sind wir an die straßburger Schule gewiesen, und wir denken uns schon im Boraus, daß der Aufschwung, welchen in Frankreich nicht minder als in Deutschland eben diese Studien neuerdings genommen, wesentlich auf die nähere Berührung mit der deutschen Wissenschaft zurückzuführen ist. So ist es, und die Franzosen machen daraus gar kein Hehl. Sie geben bereitwillig zu, daß deutsche Forschung das schwerste Material aus der Tiefe heraufgegraben hat, mit welchem nun weiter zu bauen ist. Aber eben hier, in der Verwendung dieses Materials, zeigt die französische Theologie ihre eigenthümlichen Verdienste. Wenn sie schon einen glücklichen Jnstinct für das besitzt, was in den Erzeugnissen der deutschen Theologie, von welcher wohl das Wort von den mancherlei Gaben, aber Mit das vom einerlei Geiste gilt, einen wirklichen Fortschritt der Wissenschaft bedeutet, so ist ihr namentlich eigen die Leichtigkeit, mit der sie die wissenschaftlichen Ergebnisse in genießbarer Form zu verbreiten, zu anziehenden Grenjbotm I. 186S. 16