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Die Münchener Knnst der Gegenwart.
Die bayrischen Könige Ludwig der Erste und Maximilian der Zweite.
Wenigstens ein Vierteljahrhundert lang hat München für die vornehmste Hcimathstättc der modernen deutschen Kunst gegolten, auch gegenwärtig noch will es sich diesen Ruhm nicht nehmen lassen. Sicherlich können ihm die Kunstschulen, welche sich neuerdings an kleineren Residenzen unter fürstlichem Schuh aufgcthan haben, den Rang nicht streitig machen; Düsseldorf seinerseits beschränkt sich nach wie vor auf die Malerei, und wenn dort in den beiden letzten Jahrzehnten einige neue Talente (namentlich in den kleineren Fächern) aufgetreten sind, welche die Münchener hinter sich zurückgelassen haben, so hat es dagegen von seinen älteren nambaftcn Künstlern an andere Städte abgeben müssen. Wien und Berlin allerdings scheinen jetzt nahe daran, die Münchener Kunst zu überholen: auch in ihnen werden Architektur, Plastik und Malerei mit gleichmäßigem Eifer betrieben, zudem haben sich wenigstens in den beiden letzten Künsten neue Richtungen hervorgethan, welche aus dem bequemen Geleise einer überlieferten und ins Akademische verlaufenden Anschauung heraus- strcben und mit der Frische ursprünglicher Empfindung die Kunst neu zu beleben suchen. Indessen, um davon nicht zu reden, daß auch in München Anläufe zu einem derartigen Umschwung sich zeigen, daß zudem seine Kunst, so weit sie auf den schon gebahnten Wegen weiter geht, auf die feste Schulter einer erfolgreichen Vergangenheit sich stützt, so genießt es auch jetzt noch den Vortheil, durch den es bisher jenen deutschen Hauptstädten zuvorkam: die Gunst und den Eifer seiner Könige, welche dem ganzen Kunstleben durch monumentale Werke einen fruchtbaren Boden zu verschaffen bis in die neueste Zeit versucht haben.
Denn ohne Zweifel, eine selbständige Blüthe und eine gemeinsame Entwicklung der bildende» Künste werden nur da möglich, wo die Bedingungen zu monumentalen Schöpfungen gegeben sind. So wenig die Kunst ein bloßes Reizmittel für die blinde Menge ist, so wenig soll sie eine bloße Liebhaberei reicher Privatleute sein! sie ist vielmehr vor allem Angelegenheit des Volkes, das heißt, nicht der Masse, sondern aller derjenigen, welche nicht in die kleinlichen Interessen des täglichen Daseins versunken, noch Sinn haben für die großen, das Einzelne in sich fassenden Züge des ganzen Menschenlebens. Ist die Kunst überhaupt Darstellung des Lebens in ausdrucksvollen Formen, welche die
Grcnzboten I. 186S-, 2