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Preußische Briefe.
Aweim?d;wanzigster Vrief. Vilnitas V^niti^tliiil Vilnitit«.
Ich erinnere mich dunkel an Korrespondenzen, die ich in der vormärzlichen Zeit ans Berlin an die Grenzboten schickte, über die Eitelkeit des Berlinerthums, über diesen beständigen Hunger nach Emotionen, der nie gestillt wurde, weil er nie einen realen Gegenstand fand. — Wenn ich mich jetzt iu der Welt umsehe, kommt mir dieser ganze, brave Ball höchst vormärzlich Berlinisch vor, „ekel, schaal und unersprießlich," wie Hamlet sagt. Das Feuer ist allenthalben erloschen, aber viel Rauch uud Qualm, unheimlich zu riechen, widerwärtig zu sehn. — Freilich wuß es auch solche Zeiten geben.
Werfen wir erst einen flüchtigen Blick in die fernere Perspcctive, auf den atlantischen Ocean, auf die türkischen Steppen, nach Amerika, nach Australien. Ueberall Haufe» freier Deutschen, freier Polen, freier Ungarn, die ihren patriotischen Rausch jetzt am schwankenden Bord des Schiffes unbehaglich ausschlafcn. Ihre guten Freunde, die nicht so glücklich waren, sitzen im Gefängniß, auch klingt noch hin und wieder ein fataler Schuß in unser Ohr. Andere haben sich wieder in die bescheidene Häuslichkeit zurückgezogen, sie banen das Feld, wie Gagern in Monsheim, oder sie flüchten sich in eine Kammer-Sinccnr. Diese preußischen Kammern! Von dramatischem Leben keine Spur, nicht einmal menschliches Interesse an irgend einer Individualität. Es sind Typen, Gattungsmenschen, die unr in Commissionen zu brauchen sind; die eigentliche Nednerbühne kann geschlossen werden. Und draußen das Corps der Demokraten, die wieder, wie vor dem März, sich in heimlichen Gesprächen über ihre wunderbare Frcisinnigkeit unterhalten, die einander versichern, es müsse anders werden. Ganz wie vor der Sündfluth.
Ich bitte Sie, was sind die Zeitungen wieder langweilig! Ich kann mir kaum denken, daß vor zwei Jahren, als noch von keiner Revolution die Rede war, eine Privatgeschichte so viel Anflehn hätte machen können, als jetzt der Brief des Herrn Louis Napoleon an den Oberst Ney. Die französische Republik hat aus augeborner Loyalität die rebellische» Unterthanen des heiligen Stnhls ihrem legitimen Souverän wieder unterworfen, und möchte nun auch gern in den römischen Angelegenheiten ein Wörtchen mit sprechen. Der Papst verbittet sich das, wie natürlich, und so muß denn die große Nation ein Mittel suchen, sich an dem undankbaren Oberhaupt der Kirche zu revangiren. Es ist bald gefunden; der Präsident der Republik schreibt an seinen guten Freund, den Oberst Ney: Hören Sie, lieber Ney, das muß ich Ihnen sagen, das gefällt mir ganz und gar nicht,
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