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Neupolitischer Katechismus.
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Neupolitifcher Katechismus.

Zur Einleitung die Definition einiger technischen Ausdrücke.

Friedrich Wilhelm IV. Pflegte zu sagen, er liebe eine gesinnungsvolle Opposition. Unter Gesinnung versteht man den Vorrath von Vorstellungen, den man in einem gewissen Alter aufgespeichert hat. Deu Inhalt derselben darf man nicht weiter motivircn, er ist der DiScussion entzogen und ein Zweifel an demselben ist Sacrileg. Wessen Grnndvvrstellungeu mit den meiuigen ungefähr übereinkommen, von dem sage ich, er habe eine gnte Gesinnung; wer dagegen Meinungen hegt, die mir nicht geläufig sind, der ist ein Uebelgesinnter. Eine gefinnnngsvvlle Opposition heißt also diejenige, die von currenten Ideen ausgeht und wer von diesen currenten Ideen nichts hält, der ist gesinnungslos. Das preußische Gesetz erlaubte einewohlmeinende," d. h. gesinnungsvolle Besprechung der öffentlichen Angelegenheiten, bestraste dagegenfrechen" undunehrerbietigen" Tadel des Bestehendeu mit so und so langem Gefängniß, bisweilen mit Verlust der schwarz- und weißen Nativnalcocarde.

Der Unterschied zwischen wohlmeinendem und frechem Tadel läßt sich freilich mehr fühlen als beschreiben, wenigstens würde es schwer sein, ihn allgemein zu formuliren. Im einzelnen Falle geht es eher. Wenn z. B. Johann Jacobh sagte:durch deu einseitigen Entschluß des Königs wird das Recht des Volks an eine repräsentative Verfassung nicht aufgehoben," so war das frecher und nn- ehrerbietiger Tadel der bestehenden Landesgesetze, nnd Jacoby war ein Uebelge- finnter, denn die officiellc königlich preußische Gesinnung wurde durch solch brüskes Wesen verletzt. Wen» es dagegen hieß:Wir sind unbedingt von dem Recht, der Redlichkeit und der Einsicht des Gouvernements überzeugt, wagen aber im eignen Interesse der Krone die Frage, ob es nicht edelmüthiger und zweckmäßiger wäre, die Ansprüche des Volks auf eine repräsentative Verfassung als ein Recht anzuerkennen," so war das eine wohlmeinende und gefinnuugsvolle Opposition.

Die Opposition selbst hatte stattgesinnnngsvoll" ein anderes Stichwort, das schon durch seine Derbheit den demokratischen Ursprung verrieth:gesümnngs- tüchtig." Namentlich Königsberg wurde gern diegesinnungstüchtige" Stadt ge­nannt, weil in ihr die Dogmen der Partei am massenhaftesten aufgespeichert waren.

Grenzbotc». m. zzz,