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Deutsche Literaturgeschichte in neuester Zeit.
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Deutsche Literaturgefchichte in neuester Zeit.

Sie haben, verehrter Freund, einen Bericht über die Behandlung der deutschen Literaturgeschichte in neuerer Zeit für diejenigen Leser Ihrer Zew schrist gewünscht, welche das, wovon sie zeither gehört und gelesen haben, sich in einer gedrängten Uebersicht zu vergegenwärtigen wünschen. Vielleicht war es übereilt, daß ich Ihrem Wunsche nachzukommen versprach, nicht als ob mir der Stoff ftemd wäre, sondern deshalb, weil eine genügende Ver arbeitnng des erfaßten Stoffes in so gedrängter Form schwierig ist. Doch ich will lieber meine eigenen Bedenken beseitigen, als mich der Wort' brüchigkeit Ihnen gegenüber schuldig machen.

Als ich vor länger als 20 Jahren auf einem sächsischen Gymnasium war, da wurde in den Unterrichtsstunden vorzugsweise Griechisch und Latein getrieben. Zwar waren die Lehrer leine Pedanten und hielten auch etwas auf deutsche Aufsätze und regten zur deutschen Lectüre «u, aber au einen systematischen Unterricht iu der deutschen Literatur war nicht zu denken. Um Geschichte und Kritik unserer Literatur kümmerten wir uns wenig; dazu waren wir in der That zu naiv. Desto mehr aber lasen wir die Klassiker selber und erbautem uus an ihneu, und nicht nur Lessing, Herder, Goethe und Schiller wurden fleißig getrieben, sondern auch Klopstock und die Göb tinger, Hippel und Jean Paul, so wie die Nomantiker hatten ihre einzelnen Verehrer. Eine solche Naivetät war damals in der ganzen politischen und literarischen Atmosphäre unsers Vaterlandes eine häufig zu bemerkende Er­scheinung. Um die öffentlichen Angelegenheiten kümmerte man sich so wenig, daß von einem politischen Leben nicht die Rede sein konnte. Aber auch ein ftisches literarisches Leben war nicht vorhanden, da in Folge der allgemeinen Ermattung nicht viele bedeutende und wirksame poetische Producte zu Tage gefördert wurden. Nur unter solchen Verhältnissen konnte der Weißenfelser

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