Münchens Knnst und Künstler.
Zwölf Briefe
von
Heinrich Merz. Vierter Brief.
Kaiilbach. — Küustlerstvlz. — Parallele zwischen Kaulbach und Cornelius. — Die
Hunncnschlacht und die Zerstörung Jerusalems. — Kritik dieses Cartons. _ Kotho.
Usche und protestantische Kunst. — Einige andere Werke Kaull'ach'S. _ Albrecht
Dürcr. — Die deutschen Maler und ihre Römcrzüge.
„Waulbach ist sehr gescheut, aber grob" - so ungefähr soll Jemand sich über ihn ausgesprochen haben, als er sich bei Ausmalung des Göthe- und Klopfstock-Zimmers in der königlichen Burg nichts in seinen Pinsel reden ließ, sondern eS so machte, wie er eS machen mußte, weil er es so wollte. Dies ist ein Zug, der uns für den persönlich auch so liebenswürdigen Meister gleich von vorn herein einnehmen muß. Das ist der rechte Künstlerstvlz, welcher selbst der Vater seiner Kinder sein will, der seine Phantasie nicht von zudringlichen Hausfreunden nothzüchtigen läßt. Das bezeugt Selbständigkeit, Originalität und aus solcher Vereinigung von Willen und Phantasie, Charakter und Kunst sinv keine Bastarde zu erwarten?
Es unterliegt schwerlich einer gegründeten Widerrede, wenn man Kaulbach sür den bedeutendsten Maler Münchens erklärt und ihn selbst über Cornelius stellt. Statt Styl hat Cornelius gerade in seinen „größten" Gebilden Manier, statt Neuem Altes, und wieder statt Altem Neues, statt Originalität aber Nachahmung; daß er am großartigsten die alte Schönheit in unsere Zeit herübergeholt hat, daß er seine Schule zeichnen und malen gelehrt hat, wie Keiner, daß er ein Bewußtsein von Styl und Kraft geweckt hat, das bleibt sein großes Verdienst. Aber wenn der jüngste Tag einer
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