Musikalische Zeitfragen
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Christen überall so zahlreich gewesen sein, daß auch geselliger Verkehr und wirkliche Freundschaften zwischen Leuten verschiednen Glaubens nicht weniger häufig sein mußten wie heute in Ländern, wo Katholiken und Protestanten beisammen wohnen. Daß junge Christen die Schulen heidnischer Rhetoren besuchten, weiß man auch aus andern Quellen; und gerade dieser Umstand wird die Rhetoren erbittert haben, wenn er ihnen auch äußerliche Höflichkeit und die Maske der Freundschaft aufzwang, denn er gefährdete ihre Existenz. Während ihuen auf der einen Seite Fachschule,,, namentlich die Jnristenschule Kon Verhtns. immer mehr Schüler entzogen, machten ihnen auf der andern die Christen Konkurrenz. Anstatt der leeren Prnnkrcden der Rhetoren hörten sich die Leute gewiß schon darnm lieber die christlichen Predigten an, weil ihnen hier ein Inhalt, und zwar ein neuer Inhalt geboten wurde; das Christentum war allerdings schon dreihundert Jahre alt, aber doch erst seit Konstantin allgemein bekannt geworden; und selbstverständlich, das war vorauszusehen, würden die Christen eigne Schulen gründen, sobald sie die genügende Anzahl von Lehrern hätten; in Alexandrien gab es ja schon eine berühmte christliche Schule. So wird der im zwölften diesjährigen Heft der Grenzboten S. 683 ^wähnte Ellgen Schnitt Recht haben mit der Ansicht, daß die hellenische Renaissance des vierten Jahrhunderts zugleich ein Klassenkampf, ein Kampf »Ms Vrvt war. Für Libanius ist das Brotintercsse gewiß nicht der Quell seiner Begeisterung für die Götter gewesen, aber ohne Zweifel hat es sie nnd Haß gegen die Christen verstärkt; von den andern Rhetoren aber wird suh so mancher den Glauben an die mnuahrscheinlich gewordnen Olympier bloß eingeredet oder ihn geheuchelt habcu. Das letzte Wort des Libanius. Wenn es authentisch ist, erinnert an das berühmte letzte Wort seines kaiserlichen Freundes. Im Sterben soll er ans die Frage, wen er zn seinem Nächster in der Leitung der Schule vorschlage, geantwortet haben: „Den Johannes (Chrysostomus), wenn ihn die Christen nicht geraubt hätten."
Musikalische Zeitfragen
von Hermann Kretzschmar 5. Die Ausbildung der Fachinusiker ie für alle andern Stände giebt es cmch für den Musiker drei Wege berufsmäßiger Ausbildung: 1. auf besonders dazu eingerichteten Lehranstalten, 2. bei einem einzelnen Lehrmeister, 3. den nntodidaktischen. In der Regel führt aber keiner von allen dreien znm Ziel, sondern wer ein fertiger Musiker werden will, muß ^ ihnen streckenweise abwechseln. Insbesondre kennt die Geschichte keine Musiker, die ans rein autodidaktischein Wege znr Bedeutung gelangt sind; "^unterricht uud eignes Studium sind unentbehrlich zum Weiterkommen Mm individuellen Abschluß der Ausbildung, aber ganz ungenügend für