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Erziehung zur Mündigkeit oder Leitung der Unmündigen? : Sozialpädagogische Betrachtungen
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Erziehung zur Mündigkeit oder Leitung der Unmündigen?

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Sozialpädagogische Betrachtungen von Gtto Stock

>ie Pädagogik steht bei den Laien ohne Zweifel in Mißkredit. Sie gilt den meisten schlechthin für das Gebiet des begrenzten Horizonts, der Enge nnd Engherzigkeit, des Kleinlichen nnd Langweiligen. Fast immer wird dieses Urteil zurnckgehn ans die I passive Bekanntschaft mit der Pädagogik in der Zeit der eignen jugendlichen Unfertigkeit und Enge des Horizonts, in die sie eindringen innßtc. Wenn es wahr ist, daß Gleiches nur von Gleichem erkannt werden kann, wie sollte die Jngend der Pädagogik und den Pädagogen gerecht werden können? Zum Unglück lernt dann wohl der Erwachsene noch ein paar wirklich lang­weilige Pädagogen kennen, und damit wird er seine Ansicht iiber die Pädagogik meistens für thatsächlich gesichert halten.

Und doch giebt es kaum ein Gelnet, das in so unmittelbarem Zusammen­hang mit dem großeu Strom der Kultur steht wie das der Erziehung uud des Unterrichts. Nirgends offenbaren sich geistige Bewegungen uud Gegensätze schärfer als hier. Wie in einer Konvexlinse werden hier alle Strahlen des Geisteslebens gesammelt und zu einem scharf nmrisseneu Miniaturbild der ge­gebnen Kultnrlage vereinigt. So zeigt sich der vorherrschend materielle Sinn unsrer Zeit in der Übermacht des pädagogischen Realismus, und in den Be­strebungen nach Einheitsschulen nnd Schuleinheit steckt ohne Frage ein gewisser sozialistischer Zug. Es giebt kaum eine Erscheinung des öffentlichen Lebens, kaum eine Reguug der Volksseele, die auf dem pädagogischen Gebiet nicht irgendwie Nebcntöne uud Nachklänge weckte.

Kein Wunder! Alles geistige Leben will Unsterblichkeit. Sichrer aber als Pergament und Leinwand, als Stein und Erz bewahrt die Menschenseele die Schriftzüge, die sie einmal aufgenommen hat, und überliefert sie als unverlier­bares Erbe der Nachwelt. Daher das Werben um die Jngend, der Kampf um die Schule, wobei die Parteien des Tages um ihre Zukunft, die großen Gegensätze des Menschenlebens aber fortwährend um eine Neuregelung ihres Machtverhältnisses und Neuordnung ihres Besitzstandes ringen. So spiegelt sich schließlich in diesem Kampf nicht nur die gegenwärtige Kultur, sondern zugleich das Streben nnd Ringen der Menschcnseele überhaupt mit all seinen Widersprüchen nnd Unklarheiten; und dem sehenden Auge eröffnen sich von