Mont Ht. Michel und der Michaelskultus
(Fortsetzung)
iähreud in den höfischen Kreiseil der Glaube an den heiligen Michael längst geschwunden war, lebte er im Volke fort und äußerte sich noch lange in Pilgerfahrten zu seinem Berge. Die ersten Pilgerfahrten im achten und nennten Jahrhundert sind schon erwähnt worden. Der Glaube vertiefte sich. Wie ein erstes gewaltiges Pilgerlied erklingt Aleuins begeisterter Hymnus auf den Erzeilgel, den er auf Karls des Großen ausdrücklichen Wunsch gedichtet zn haben scheint. „Du hältst die Herrschaft über das ewige Paradies," heißt es darin, lind weiter: „Als du den grausamen Drachen mit starker Hand dahin gestreckt hattest, hast du die Mehrzahl der Seelen seinem Schlnnde entrissen." Er galt als sichrer Hort, als nm das Jahr 1000 die Furcht vor dem Weltnntergang die Menschen erfaßte. In Scharen zogen da die Pilger zn seiuem Heiligtum.
Die durch die cluniaeensische Reform hervvrgernfne Vertiefung des religiösen Lebens verstärkte den Eifer der Wallfahrer. Wer nicht an Krenzzügen teilnehmen konnte, suchte deu heiligen Ort in der Nähe auf, dein 1247 und 1353 päpstliche Jndnlgenzen zu teil wurden. So sehr aber jedes Heiligtum ebenso wie die Pilger durch Androhung von Exkommunikation für jede Schädigung am Orte selbst gesichert waren, so unsicher waren die Wege dahin. Das alte normännische Sprichwort: „Bevor dn zum Berge gehst, mache dein Testament" bezog sich weniger auf die Gefahr des Meeres als die der Reise. Der einzelne Pilger wurde leicht auf dem Wege beraubt oder gar am Ende der Wanderschaft auf den Saudbäukeu vor dem Berge von angeblichen Führern in die Irre geführt und ausgeplündert. Es halfen da keine königlichen und keine päpstlicheil Verfügungen, sondern nnr der Zusammeuschluß zu größern Gruppen. Die Geistlichkeit scheint die Anregung dazu geboten zu haben. Vi-lM3 heißen diese gemeinsamen Züge, und oontrsriv die sie ausrichtende Brüderschaft. Im Jahre 1210 wnrdc schon dnrch Philipp Anglist die oonkröriv clv Lairck Model l'^nZs äu irwirt Äs 1il> mvr gegründet.
Bei diesen größern Pilgcrzügen war nur die Gefahr des Meers bedrohlich. Unbekannt mit der rasch einbrechenden Flut wnrden die Pilger öfter ans den Watteil überrascht und abgeschnitten oder verirrten sich bei nebligem Wetter. Deshalb war auf dem Berge „die Nebelglvcke" bestimmt, durch ihren Ton den Wandrern den richtigen Weg zu weisen.
Wie bei den Krenzzügen beinächtigte sich auch hier besonders der Frauen und Kinder ein krankhafter religiöser Wandertrieb. Im Jahre 1333 kamen Züge