5!
Maßgebliches und Unmaßgebliches
Aber Mütterchen! Warum schläfst du nicht?
Karl, ich habe die ganze Zeit Angst gehabt — du willst doch nicht wirklich >—
Doch Mütterchen, laß mich nur. Es ist das allerbeste, ich gehe eiu Weilchen weg; unterdes besinnt sich unser Trotzkopf. Ich mache eine schöne Fnßtour, und wenn ich in acht Tagen oder so wiederkomme, wird eiu Witteruugsumschlag bei Hauua eingetreten sein. Es ist ganz klar, sie muß einmal Ruhe vor mir haben.
Karl war aufgestanden und knin auf die Thür zn. Mama Müller seufzte, machte die Thür etwas weiter auf uud steckte deu Kopf hereiu. Es war vielleicht wirklich das beste. Na dann reise glücklich, sagte sie, und komm gesund wieder.
Er küßte sie ans die Stirn. Nimm die Sache nicht tragisch, Mütterchen. Du wirst sehen, der Papa wird sagen, ich hätte pernünftig gehandelt, wenn er morgen erfährt, daß ich mich fortgemacht habe.
Und dann ging auch er ins Bett, und Mama Müller hörte au seinen ruhigen Atemzügen, daß er nlsbnld sanft eingeschlafen war.
O dieses junge Volk! dachte sie. Aber solange sie solchen Appetit haben und o gut schlafen, braucht man es wirklich nicht tragisch zu nehmen.
(Fortsetzung folgt)
Maßgebliches und Unmaßgebliches
Schulaltertümer. Fritz Anders läßt in einer seiner köstlichen Skizzen aus unserm heutigen Volksleben (Schulnöte) zwei widerharige Bauerngemeinden dadurch bündigen, daß der Schulrat auf den Vorschlag eines humorvollen Superintendenten den Pastor von Affleben zum Ortsschuliuspektor von Beffleben und den Pastor von Beffleben znm Ortsschulinspektor von Affleben ernennt. Leider hat sich diese Praxis in Preußen noch nicht eingebürgert, nnd außerdem hat Fritz Anders bei seiner wahrheitsgetreuen Darstellung gewisser Schulnöte zweier Umstände nicht Erwähnung gethan, die die Not an vielen Orten erschweren: daß es außer den Bauern auch Rittergutsbesitzer giebt, die noch weit schwieriger zu behandeln sind, nnd daß die ganze Macht der preußischen Monarchie, die nach Schülrnt Mayerhofer der Pastor als Ortsschuliuspektor hinter sich haben soll, geteilt ist, indem nur die kleinere Hälfte davon im Schulrat steckt, die größere dagegen im Landrat, der sich nllemnl als Schützer der notleidenden Landwirtschaft fühlt, nnd dem außerdem die Lehrer als unruhige Köpfe, Aufklärer, Querulanten nnd zur Insubordination neigende Subjekte verdächtig und unsympathisch sind. Die Zeit, wo der Kultusminister liberalisierende Volksschullchrer als Bundesgenossen im Kulturkampfe begrüßte, hat uicht lauge gedauert. Danach mag man ermessen, welche Schwierigkeiten die Durchführung des Gesetzes vom 3. März 1897 über das Diensteinkommcn der Volksschullchrer zu überwiudeu gehabt, uud in welchem Umfange man sich auf den Dörfern au die vom Gesetz gezogne untere Grenze gehalten hat.
Daß diese Gehaltsaufbesserung, wie in dem Artikel über das preußische Finanzministerium im 32. Hefte der Grenzboten gesagt wird, weder die Lehrer befriedigt noch genügenden nnd geeigneten Nachwuchs") sichert, ist richtig. Doch giebt es wirk-
*) Nachträglich lese ich in Zeitungen, daß bei den ostelbischen Lehrern die Sachsengängerei einreiht: dutzendweise scheiden sie aus dem preussischen Staatsdienste aus und suchen Anstellung im Königreich Sachsen, wo die Verhältnisse viel besser sind.