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Johannes Wurm
teten Kunstanschauung" die Gewähr in sich trage, „nicht minderwertig zu werden," auf unsern Fall angewendet also, daß Klinger trotz aller Nachahmung und trotzdem, daß er nicht „mit seinem eignen Volkstum" verwachsen ist, dennoch zu deu echten Künstlern zu zählen sei. ,
Dieses eine etwas ausführlicher cmalhsirte Beispiel wird zur Charakteristik der Woermannschen Beweisführung genügen. Die zahlreichen Zeugen, die Woermcmn aus dem Schatze seiner umfassenden Gelehrsamkeit hervorholt, werden vielleicht manche Leser blenden und vielleicht auch überreden. Wer aber gewohnt ist, das Gelesene zu durchdenken und die Folgerungen aus ihreu Voraussetzungen nachzuprüfen, wird das Brüchige dieser Art von Logik nicht verkennen.
Woermann ist bei der Herausgabe seines Vnches offenbar von der guten Absicht geleitet worden, einen Boden für die Verständigung zwischen den beiden feindlichen Lagern, zwischen den Alten und den Jungen, zwischen der alten und der neuen Kunst zu gewinnen. Für diese Absicht muß ihm jeder ehrliche Freund der Kunst, insbesondre der deutschen Kunst, dankbar sein. Aber sein Ziel hat er nicht erreicht, vielleicht weil es überhaupt nicht zu erreichen ist, weil die einzige feststehende Lehre, die uns die Kunstgeschichte giebt, die ist, daß eine Verständigung über den relativen Wert oder Unwert von modernen Kunstwerken zwischen Zeitgenossen, wenn ihr Urteil auch noch so gereift, ihre Empfindung noch so künstlerisch ist, aus Gründen der Individualität, des Temperaments, des Geschmacks und noch vielen andern Gründen ausgeschlossen ist. Und selbst dem gelehrtesten und geschmackvollsten Kunstschriftsteller, der trotzdem den Ausgleich wagt und einen einigermaßen sichern Maßstab der Beurteilung aufzustellen sucht, kann es widerfahren, daß er in die Klasse der Kunstschriftsteller gerät, die, wie Woermann selbst sagt, trotzdem daß sie „den Künstlern vergangner Zeiten tadellos gerecht geworden sind, sobald sie auf ihre Zeitgenossen zu sprechen kommen, jeden Maßstab zu verlieren scheinen uud eine Reihe von Namen hervorheben, die schon im nächsten Menschenalter niemand mehr kennt und nennt."
Johannes Wurm
Lin Frühlingsmärchen
uf dem neuen moosgrünen Sofa saß ein ganz junges Ehepaar. Die kleine Frau hatte schwarze Angen und eine weiße Haut, und ihr Mann sah in seinem braunen Rock sehr stattlich aus. Sie wohnten zu ebner Erde unter einem Fliederbusch, denn sie liebten den Schatten und die Kühle, weil sie Leuchtkäfer waren. Oben im Hause war eine ausgedehnte Gastwirtschaft, in der das berühmte