Zur sozialen Frage. 583
begeistern und Stimmen zu werben. Englands böser Stern aber will, daß er
auf der andern Seite das Heil sucht, und so werden die Dinge vermutlich ihren Weg weiter abwärts gehen.
MUMM
WZ
Zur sozialen Hrage.
!wei Probleme beschäftigen unablässig eine Anzahl strebsamer Geister, leider mit ziemlich gleichem Mißerfolge: die Schaffung ! eines lenkbaren Luftschiffes und die Lösung der sozialen Frage. Wie ist es zn machen, daß nicht einzelne zum Ärgernis vieler I andern überreich werden uud daß statt dessen alle in Wohlstand und in Freuden leben können? Das ist das Rätsel, welches die moderne Sphinx, die Sozialdemokratie, uns zu losen anfgiebt, mit der Androhung, daß, wenn es ungelöst bleibe, sie uns, d. h. die ganze bürgerliche Gesellschaft, in den Abgrund stürzen werde. Natürlich find zahlreiche Gelehrte' zur Hand, welche glauben, es müsse ihnen die Lösung gelingen. Wiederum liegen uns zwei Schriften vor, welche darauf abzielen. Sie heißen: Fortschritt und Sozialismus von Dr. S. Unger (Berlin, Puttkammer und Mühlbrecht, 1886) und: Die Gesetze der sozialen Entwicklung von Theodor Hertzka (Leipzig, Dnncker und Humblot, 1886).
Die erste Schrift enthält keine wesentlich neuen Gedanken. Sie giebt zunächst einen längern geschichtlichen Überblick über die sozialen Bestrebungen seit den ältesten Zeiten. Während aber alle diese älteren „Beglückungstheorien nichts als dichterische Träume" waren, hat „das Auftreten von Karl Marx und F. Lassalle den planlos herumirrenden Bestrebungen ein festes Objekt gegeben." Durch sie hat der Traum früherer Forscher eine Lösung gefunden, und diese Lösung heißt: „Kollektiveigentnm an sämtlichen Produktionsmitteln." Einer Verherrlichung dieses Gedankens ist dann das weitere Buch gewidmet, wobei die schweren Bedenken, welche Schaffte jüngst demselben entgegengesetzt hat, eifrig bekämpft werden. Ein näheres Eingehen hierauf dürfte sich jedoch kaum lohnen, da sich darin nur Bekanntes wiederholt.
Genauer betrachten müssen wir die zweite umfangreiche Schrift eines Wiener Publizisten. Er bringt in der That positive Vorschläge, durch welche die soziale Frage, statt im Wege der Revolution, im Wege der Evolution gelöst werden soll. Geschichtlich geht der Verfasser von folgender Betrachtung aus. Ursprüuglich habe die Menschheit uur Eiuzelarbeit gekannt, und was jeder erarbeitet habe, das habe er für sich selbst erworben. Dann sei das System der organisirten