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Ungehaltene Reden eines Nichtgewählten. 17.
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Was für eine Bedeutung der immer wiederholte Satz hat, daß auch im Frieden die Armee schlagfertig erhalten werden müsse, das kann ich Ihnen an einen: klassischen Beispiel zeigen. Im Jahre 1415 variirte ein hoher Herr den Spruch folgendermaßen:

Es ist gar recht, uns auf den Feind zu rüsten; Denn Friede selbst muß nicht ein Königreich Sv schläfrig machen wenn auch uicht die Rede Vvn Kriege wär' und ausgemachtem Streit, Daß Landwehr, Musterung und Rüstung nicht Verstärkt, gehalten und betrieben würde, Als wäre die Erwartung eines Krieges,

Wer war der Redner? Der Dauphin von Frankreich, und der wurde kurz darauf bei Aziueourt aufs Haupt geschlagen. Folglich ist das Rüsten und Mustern im Frieden nicht nur unnütz, sondern höchst gefährlich; hätte Frankreich sich die Mühen und Kosten erspart, so würde es England besiegt haben. Das muß jedem einleuchten, der nicht zu den parteiischen Fachmännern gehört. Hüten wir uns daher vor deren verderblichen Ratschlägen, hüten wir uns im allgemeinen vor der langweiligen Sachkenntnis, welche nur dazu da ist, unsrer Genialität Fesseln cmznlegen. Schaffen wir das stehende Heer ab, so branchen wir uns wegen der Peusioniruug der Offiziere nicht den Kopf zu zerbrechen.

Schließlich noch zwei Worte über denFall Treitschle." Die nationalen Parteien haben sich natürlich das wohlfeile Vergnügen nicht entgehen lassen, dem Abgeordneten Knörcke, weil er die wegwerfende Aeußerung, welche Professor von Treitschle in einem Kollegium möglicherweise, vermutlich, wahrscheinlich über die Volksschullehrer gethan zu haben verdächtigt werden könnte, dem Minister denunzirte, vorzuwerfen, daß der Freisinn wohl alle Freiheit für sich begehre, sie aber keinem andern gewähren wolle. Die Sache ist aber doch ganz klar. Wir sagen stets: Einen Ort muß es geben, wo man ungescheut die Wahr­heit sagen dars, auch weun sie nicht wahr ist. Damit ist ausgedrückt, daß es nicht zwei solcher Oerter geben dürfe, oder gar noch mehr. Wir gehen völlig konseqnent vor. Als Abgeordneter dürfte Herr von Treitschle jedermann ver­unglimpfen, verdächtigen, falsch anschuldigen ausgenommen natürlich die Freisinnigen, als Professor mnß er unsrer Zensur unterworfen werden, und wenn wir in einem Rechtsstaate lebten, müßte er für die Aeußerung, welche er vielleicht gethan hat, sofort seiner Stelle enthoben werden. Auch ist die Frage aufgeworfen worden, woher denn die Volksschullehrcr erfahren haben, was Professor von Treitschle einer Schiffcrnachricht zufolge den Studenten vielleicht erzählt haben dürfte? Darüber kann ich Sie aufklären, da ich über den Fall noch genauer unterrichtet bin als Herr Knörcke, Herr von Treitschle hat nämlich sämtliche Volksschullehrer ausdrücklich zu jener Vorlesung eingeladen, ihnen die Beleidigung direkt ins Gesicht geworfen, und wenn sie jetzt, wie Herr Knörcke berichtet, sehr aufgeregt sind, so ist nur der Zweck des Profesfvrs erreicht worden. Und einen solchen Jugendlehrer soll man im Amte behalten? Unter den Uni- versitätsprofessore» herrscht überhaupt ein freihcitsfeindlicher Geist, darum muß endlich ein Exempel statuirt werden. Der Konvent hat das unvergängliche Beispiel gegeben, wie man mit den Feinden der Freiheit verfahren muß. Ich hoffe, daß der Herr Minister sich die Sache überlegen wird, aber nicht zu lauge.