Beitrag 
Das Bleibende im kirchenpolitischen Kampfe.
Seite
560
Einzelbild herunterladen
 

360

recht zurückgebliebene Gruppen noch einer sehr groben Gcistesnnhrnng bedürfen; es geht doch stets vorwärts in derselben Richtung, in langsamer Annäherung an dieselben Kulturziele. Wenn wir dies im Auge behalten, so werden wir in der Behandlung der augenblicklichen tircheupolitischen Fragen nie die Billigkeit verletzen, aber desto energischer die Ziele des ganzen Kampfes beherzigen, Be­seitigung des Druckes der Kirche, freie Ehrfurcht vor allem, !vas die christliche Kultur uus gebracht hat, Liebe zur Nation und zu allen ihren Gliedern.

Ungehaltene Reden eines Nichtgewählten.

17.

eine letzte Rede ist kaum trocken das seien meine Reden nie, sagen Sie, Herr Windthorst? Sehr verbunden! Aber bei der Notorictät unsrer gegenseitigen Wertschätzung bedarf es zwischen uns keiner Komplimente. Überhaupt bemerke ich mit Bedauern, daß in unsern Verhandlungen mitunter ein Hofton einreißt, welcher der Würde eines Parlamentes nicht entspricht. Unsre Aufgabe ist es, uus und ganz besonders den Herren Ministern und sonstigen Negicrungsvertretern Un­Höflichkeiten zn sagen zum Heile des Vaterlandes. Das vergessen Sie nicht, meine Herren, dazu sind wir gewählt. Herr Richter rnft mir zu, ich sei gar­nicht gewählt. Da hat er sich aber einmal geirrt, es ist unglaublich und doch wahr. Ich habe mich nämlich gewählt, einstimmig war die Wahl, nnd ich bezweifle, daß noch jemand von den Herren sich dessen rühmen kann. Und gerade gegen Herrn Richter muß ich den Vorwurf erheben, daß er seine allbekannte Vorliebe für Politesse neuestcns etwas zu weit treibt. Er hat dem Feldmarschall Moltke gesagt, wir, die Opposition, hörten ihm stets mit Aufmerksamkeit zu. Eine solche Auszeichnung hat dieser Mann in seinem langen Leben noch nie erfahren. Bedenken Sie doch, ein Richter würdigt einen Moltke seiner Aufmerk­samkeit, verpflichtet sich, das immer zu thun: könnte man sich da noch wundern, wenn der letztere eine zu hohe Meinung von sich bekäme? Hoffentlich besitzt er Selbsterkenntnis genug, um sich zu sagen, daß das eben nur eine höfliche Wendung war, eine konventionelle Lüge, wie ein berühmter Schriftsteller gesagt hat, dessen Name mir im Augenblicke nicht einfällt.

Also, um nicht abermals zu einer Höflichkeit zu provvzircn, sage ich: meine letzte Rede ist noch feucht vom Drucke, und schon wieder muß ich meine Stimme gegen den Versuch einer Freiheitsbeschränkung erheben. Ich meine natürlich deu Fall'des Abgeordneten von Schalschn. Welche Sophismen werden da zu Markte gebracht! Man sagt, von einem Zeugniszwange sei vorläufig noch keine Rede, der Abgeordnete sei einfach gefragt worden, woher er seine