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Ein realistischer Roman.
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Gin realistischer Roman.

cis ist es denn eigentlich mit dein Realismus? Kein Schlagwvrt ist heutzutage mehr verbreitet, als das Wvrtchenrealistisch/' Will man einen Rvman, eine Schilderung besonders loben, so nennt man sierealistisch"; dem bedeutendsten Maler der Gegen­wart, dem letzthin so glänzend gefeierten Adolf Menzel, sprach man Realismus zu; Richard Wagner mit seiner virtuosen Tonmalerei soll der Realist in der Musik, Gottfried Keller der Realist in der Poesie sein. Man spricht von einem Realismus in der Wissenschaft, von einem Realismus iu der Politik. Ein gelehrter Literarhistoriker hat unsre Zeit als die Epoche des Realismus schlechthin bezeichnet. Wo man hinsieht, trifft man überall auf dieses Schlagwort, und vor einiger Zeit hat sogar eine neue Wochenschrift, die einem unabweisbaren Bedürfnisse abhelfen wollte und an die Gunst eines geehrten Publikums nppellirte, gleich auf dem Titelblatte den Realismus als Panier aufgepflanzt. Was ist es mit diesem proteusartigen Fremdworte, das überall willkommen ist, und womit sich schließlich alle jene zieren, die sonst keinen andern Schmuck aufzuweiseu haben? Ein Wort, das so allgemein beliebt ist, kann nicht ein leerer Schall sein; etwas allgemein als wertvoll anerkanntes muß doch damit gemeint sein.

Wen» man sich nur etwas historisch zu besinnen vermag, so gewahrt mau, daß jede Epoche ein solches Lieblingswort hatte, das ursprünglich seinen höchst idealen Sinn besaß, seinen ersten Prägern zu großem Ruhm gereichte, im Verlaufe der Zeit aber zur abgegriffenen Münze wurde, um einem neuen Schlngwort Platz zu machen, welches dieselben Stadien des Blüheus und Verblüheus durch­machte. So ein Schicksal hatte im vorigen Jahrhundert das WortAufklärung." Von Thomasius, der für die Abschaffung der Folter kämpfte, und Voltaire, der sich in den Dienst der englischen Philosophen stellte, bis auf Lessing und Kant hatte dies Wort und auch seiu Inhalt eine grvße Geltung in Europa: Poesie und Philosophie, auch die Theologie, die Politik und die Jurisprudenz, sie dienten alle der Aufklärung, bis die Nomantiker dem sich überlebendenAuf- kläricht" eines Philisters wie Nievlai ein Ende machten und den allgemeinen Geschmack in eine andre Richtung lenkten. Auch der Gemeingeist ganzer Epochen pflegt ebenso einseitig wie die Begabung eines einzelnen Menschen zu sein; da ist die gesamte geistige Thätigkeit der ganzen Kultnrwelt in eine bestimmte Richtung gelenkt, der auch die entferntesten Zweige der Forschung, die scheinbar einsamsten Denker dienen. Und ebenso ist es mit dem Geiste der Epoche, iu der wir leben und der in dem WorteRealismus" sein Kennzeiche» gefunden hat.