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Zur Misere unsrer Literatur.
lismus führen, so mag daran erinnert werden, daß die Blüte der italienischen Kunst aus gleich rohen Ansängen erwachsen ist. Eine Höhe der Kunstentwicklnng, wie sie das'sechzehnte Jahrhundert in Italien gesehen hat, wagen wir freilich nicht zu hoffen. Aber der lebendige und unbefangne Naturalismus unsrer Plastik, die wir augenblicklich am höchsten unter den bildenden Künsten stellen, läßt uns doch mit tröstlichem Gefühl in die Zukunft blicken, zumal da sie sich bereits hie und da zu Schöpfungen idealen Charakters aufgerafft hat, welche spätern Geschlechtern eine günstigere Vorstellung von unserm Kunstvermögen bieten werden, als es unsre Architektur und unser Kunstgewerbe imstande sind. Man wird dann vielleicht von einem „Stil" in der Plastik während der zweiten Hälfte des nennzehnten Jahrhunderts reden und achselzuckcnd erzählen, was in der Baukunst und in der Industrie „Mode" gewesen sei.
Berlin, Adolf Rosenberg.
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Zur Misere unsrer Literatur.
s ist ein großes Übel, daß namentlich seit dem Jahre 1848 so viel schöne Zeit mit der zerstreuenden und aufregenden Zeitungs- leserci vergeudet wird. Wie viele lesen noch etwas andres als diese flüchtig vorüberrcmschenden Blätter? Freilich ist das Übel erklärlich. Nur zu oft ist seit genanntem Jahre jeder in seiner ganzen Existenz durch die Entwicklung der Begebenheiten bedroht gewesen, und es mußte ihm alles daran liegen, von deren Gange stetig unterrichtet zu sein. Dann kam die Periode der rapiden Gesetzmacherei, wodurch mir zu viele bestehende Verhältnisse aus den Angeln gehoben wurden, und mau mußte sich durch das Lesen aller möglichen Kammervcrhandlnngen darüber „ans dem Laufenden" erhalten. Auch wollte man doch wissen, wie die vielfach zu nns herüberwirkenden Krisen in den außerdcutschen Nachbarländern sich gestalteten. Kaum aber glaubte man über den fernern Verlauf der Dinge im Vaterlande beruhigt sein zu dürfen, als der Krimkrieg ausbrach, an den sich dann in den folgenden dreißig Jahren die drei Kriege anschlössen, die Preußen und Deutschland führen mußten — eine kriegerische Periode, in die auch das vierjährige Ringen zwischen den Nord- und Südstnaten der amerikanischen Union fällt und die — da wir dem Pygmäcnkampf zwischen zwei Duodez Balkanstaaten keine Wichtigkeit bei- mesfen — durch den letzten rnssisch-türkischen Kampf einen vorläufigen Abschluß erhalten hat. Bei dem allen war es ganz erklärlich, daß man jede andre Lek-