Literatur.
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stellungswesen sich bereits völlig überlebt habe, ist eine Uebertreibung; aber wenn man fortfährt, es als Sport zu betreiben, wird es in der That bald zn Tode gehetzt sein. Um es davor zn bewahren, konnte vielleicht eine Steuer (aber eine hohe!) von denen erhoben werden, die der Geschäftswelt einreden wollen, sie müsse aus Patriotismus, aus Liberalismus, zum Besten, der Zivilisation n, s, w. in den sauern Apfel beißen, nicht minder von denen, die als General- oder Abteilungsdirektoren oder als Mitglieder der beliebten „großen Kommission" eine Rolle zu spielen wünschen, nnd der doppelte Betrag, wenn sie auf Orden speiüliren, Irren wir nicht, so würde sich dadurch die Zahl der Enthusiasten, welche immer bereit sind, andre ins Feuer zu schicken, erheblich vermindern.
Literatur.
Bayard Taylor. Ein Lebensbild aus Briefen zusammengestellt von Marie Hansen- Taylor und Hvrnec E. Scuddcr, Nebersetzt und bearbeitet vvn Anna M, Koch. Mit Porträt. Gotha, F. A. Perthes, 1885.
Diese Uebersetzung der Lebeusgeschichte Bayard Taylors ins Deutsche hat ihre volle innere Berechtigung in den mannichfaltigen und innigen Beziehungen, die der amerikanische Schriftsteller und Staatsmann zu Deutschland hatte. Schon von frühester Jugend auf schwärmte er für alles Deutsche; die erste seiner vielen Reisen war zu uns gerichtet. Den Wiuter von 1844 auf 45 verbrachte der neuuzehn- jährige Korrespondent des Newyorker ^libnnv in Frankfurt n. M., gnuz dem Studium der deutschen Literatur ergeben. Auf einer Reise in Aegypten lernte er 1851 seinen liebsten Freund Bufleb, einen Deutschen aus Thüringen, kennen, in dessen Hause er mit seiner spätern Gattin bekannt wurde, einer Deutschen, der Tochter des Astronomen Hansen in Petersburg. Seine Vertrautheit mit der deutschen Sprache ermöglichte ihm die berühmte Uebersetzung von Goethes „Faust" ins Englische, die seine Lnndslcnte der meisterhaften Uebertragung Dantes durch Lougfellvw au die Seite setzen. Jahrzehntelang trug sich Taylor mit dem Plane uud den Vorbereitungen zu einer umfassenden Lebensbeschreibnng Goethes uud Schillers zugleich; aber als er iu seiner Stellung als Botschafter der Vereinigten Staaten am deutschen Kaiserhvfe endlich seinen Plan verwirklichen zu köuuen hoffte, dn rief den über- angestrengteu Mann ein früher Tod (19. Dezember 1878) ab, uud all die Arbeit blieb resultatlos.
Der Biograph bemerkt einmal mit Recht: „Bayard Taylors Energie und Schaffenskraft überstieg das gewöhnliche Maß europäischer Begriffe um ein Bedeutendes"; die Geschichte seines arbeitsvollen Lebens uud schließlich tragisch ergreifenden Schicksals bezeugt es. Es kauu als vorbildlich für das vieler Schriftsteller unsrer Zeit gelten, die deu Streit zwischen Kunst- uud journalistischer Produktion in sich auszumachen haben, und über dem Dränge der materiellen Ansprüche des Lebens nicht zur Befriedigung ihres eigentlichen höhern Berufs gelangen: vorbildlich deswegen, weil Bayard Taylor gauz außerordentliche Erfolge und dementsprechend!! Einnahmen als Journalist hatte, und bei alledem sich nach der Stille des Poetenwinkels vergebens sehnte, und als er sie endlich doch fand, so erschöpft und überarbeitet war, daß er sterben mnßte.
Bayard Taylor muß eine ganz ungewöhnlich begabte nnd liebenswürdige Erscheinung gewesen sein. Er hatte u. a. ein seltenes Spracheutalent: er besucht Schweden und lernt in Kürze Schwedisch; er kommt nach Griechenland nnd beherrscht bald das Neugriechische; iu Petersburg, die Geschäfte der Botschaft versehend,