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Aus Goethes Briefwechsel mit Sternberg.
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Ans Goethes Briefwechsel mit Sternberg.

Briefwechsel zwischen Goethe und Kaspar Graf v. Sternlurg (18201832), Hcraus- geacben von F. Th. Bratranck. Wien, Brauinüllcr.

Zu Marienbad im Juli 1822 war es, als die beiden edeln Greise Goethe und Sternberg zum ersten Male persönlich zusammentrafen; jener stand damals im 73., dieser im 61. Lebensjahre. Die Begegnung geschah, wie das Goethe von so vielen seiner Erlebnisse zu rühmen hat, für ihn grade zur rechten Zeit; denn wie er mündlich und schriftlich darüber bemerkte sollte man wün­schen sich früher gekannt zu haben, so ist zu erwiedern: wenn zwei Reisende aus zwei entfernten Wcltgegenden nach einem Punkt zusammcnstrebcnd sich end­lich auf demselben antreffen, ihren Erwerb vergleichen und das einseitig Ge­wonnene wohlwollend austauschen, so möchte es wohl vorthcilhafter sein, als wenn sie die Reise zusammen angetreten und vollbracht hätten. Graf Stern­berg ist aus einer Zeit, wo sich Aussichten hervorthaten, Gesinnungen ent­wickelten, Studien besondere Reize ausübten, zu denen allen ich mich selbst be­kenne. Eine solche Annäherung ist mir doch unendlich werth, weil eine neue Generation unter andern Bedingungen geboren, zu anderen Zuständen erzogen, durch Verdienst und Unverdienst von der älteren absteht. Ein fortgesetztes thätiges Verhältniß wud beiden Theilen zu Nutzen und Frommen gereichen." Und in der That wurde der mittelst wissenschaftlicher Berührungspunkte bereits vor der persönlichen Bekanntschaft angeknüpfte und durch dieselbe zu regstem geistigen Verkehr gestaltete Briefwechsel namentlich für Goclhe von großer Wichtigkeit, indem eine Persönlichkeit wie diese so allseitig 'an seine eignen Lebensverhältnisse anklingend ihm in seinen reiferen Jahren überhaupt noch nicht begegnet war und nun für den befriedigenden Abschluß seines wissen­schaftlichen Strebens ähnlich wirkte wie einst Schiller für die Wiedererweckung der Poesie. Graf Sternberg hatte ein bewegtes Leben hinter sich. In früher Jngend für den geistlichen Stand bestimmt, hatte er diese Laufbahn mit Ehren angetreten und namentlich als Canonicus in Negensburg zur Zeit des Reichs- deputationshauptschlusses sich als Charakter bewähr«. Seine eigentlichen Nei­gungen aber führten ihn auf das Feld der Naturwissenschaften und durch mannigfaltige Reisen ward ihm die Bekanntschaft und zum Theil engere Ver­bindung mit fast allen großen Naturforschern seiner Zeit eröffnet. Sein Special­fach fand er in der Botanik und hier wiederum galten der fossilen Pflanzen­welt seine Hauptstudicn, die er in seiner großen I'Iora sudteri-lrriea (182038)

Grcnzboten I. 1867, fl7