v. Platen in der Kirche zu Fischbach-m, als er von den Wunderkräften des heiligen Scapuliers predigen hörte. Dürfen wir nicht noch m-chr die blöden Wallfahrer von Deggendorf bedauern? Und ist es zu viel gesagt, wenn wir behaupten, daß die oft beklagte Nohheit und die blutigen Thaten unsres Landvolks auch daher rühren, daß ihm solche Speise geboten wird? daß es wenigstens nicht besser werden kann, so lange ihm Naub und Mord, sei es auch nur an Juden verübt l!) als gottgefälliges Werk empfohlen werden?" —
Stillleben eines Kleinstaates.
Der Staat, von dem ich rede, umfaßt keine 150 Quadratmeilen. Sein zum Theil reicher Grund dehnt sich an den beiden Ufern jenes Stromes aus, der schon dadurch beweisen kann, daß er nicht Deutschlands Grenze bildet.
Wenn unten an den sonnigen Halden der Vorberge die Rebe knospt und die Aprikose blüht, liegt hoch oben im Gebirge noch der Schnee und der Postillon treibt die keuchenden Pferde, daß sie den schweren Wagen nicht stecken lassen. Drüben über dem Strom ein leichtlebiges Volk, dem Wein statt Blut durch die Adern läuft. Diesseits des Stroms kreist das Blut langsamer; in der tabak- und getreidebaucndcn reichen Ebene gemahnt freilich das Aussehen der Landschaft an die.Landsleute im Westen; die ländliche Tracht ist hüben und drüben verschwunden, und die Sprache klingt fast gleich und ähnelt den Dialekten, in denen Nadler und Schanden» ihre Gedichte schrieben. Hinter der Gebirgswand im Osten wohnt der minder reiche Theil der Bevölkerung. Mühsam klettert das Spannvieh an den Bergen hinauf und des Landmanns „Güst und Gott" klingt wie eine Stimme aus den Wolken gegenüber dem „Har und Gott" des Tabakbauers im Thal. Dem Feldbau sind diese Berge häusig zu steil und die Thäler zu unwirthlich; nur selten verirrt sich der fremde Wanderer hierher. Aber der Bauer sitzt oft behaglich auf dem Erbe seiner Voreltern, deren Tracht er »och trägt: den langen blauen Nock, Kniehosen und Gamaschen und jenen wunderlich aufgebauten Hut „Dreimaster" oder auch „Wettervertheiler" genannt. Und wenden wir uns schließlich nordwärts, so kommen wir in den Theil des Landes, dem der Staat seinen Namen verdankt. Hier sitzt der Kern jenes Volkes mit grobgeschnitzten, charakteristischen Gesichtern und jener eigenthümlichen Tracht, die bei dem weiblichen Theil sich so bezeichnen läßt: was den Nöcken an Länge abgeht, haben sie an Umfang zugesetzt. Der Bauer der hessischen Ebene sitzt auf fetten Gütern und das alte Sprichwort sagt, daß ihm nur Heu und Holz fehle, um noch einmal so stolz zu werden. Was diesem versagt ist,
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