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Die deutsche Universitäts-Entwicklung in den letzten fünfzig Jahren.
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Aus dem preußischen Tandtage.

Mitteln, die wir so gut fabriziren, wird sich verstärken kurz, mau wird diese Arbeitsteilung in geistiger Hinsicht" kaum zu beklagen haben.

Bei alledem bleiben natürlich Conrads Verbesserungsvorschlage zu Recht bestehen. Eine gewisse Beschränkung der Stndentenzahl, deren Anwachsen dnrch die Richtung des unteren Schulwesens begünstigt wurde, dürfte immerhin am Platze sein. Die Perspektive, die wir eröffnet habe», kann natürlich nicht nach allen Seiten Abhilfe schaffen. So möchte auch die schon oft verlangte, vom Verfasser wieder anfs neue betonte gesetzliche Nvrmiruug einer verlängerten Studienzeit sehr zweckmäßig sein, denn sie würde die Leistnngen der Uni­versitäten zu vollkommeneren gestalten. In dieser Richtung wäre die Nicht- anrcchnung des Militärdienstjahres zum Trieunium gleichfalls eine der will­kommensten Maßregeln.

Aus dem preußischen Landtage.

ie seit Jahren immer von neuem laut gewordene Klage über die Fruchtlosigkeit der parlamentarischen Debatten erhält neue Be­kräftigung durch den Verlauf der Verhandlungen der gegenwärtigen Session des preußischen Landtages. Am 20. November v. I. wurde dieselbe eröffnet, und bis heute hat das Abgeordnetenhaus fünfzig Sitzungen abgehalten. Fragen wir »ach dem positiven Ergebnis dieses halben Hunderts von Arbeitstagen, so erhalten wir ein überaus geringes Maß an wirklich fruchtbarer Thätigkeit.

Die Redner der Opposition kommen selten über eine kleinliche Nörgelei gegenüber den Vorlagen uud Maßnahmen der Regierung hinaus und berechnen ihre oratorischeu Leistungen vorwiegend für ihren Anhang außerhalb der parla­mentarischen Körperschaften; es sind zumeist Wahlreden, die wir im Abgeordneten- Hause zu hören bekommen, und derartige Reden zeichnen sich bekanntlich mehr durch ihre Länge als durch ihren sachlichen Inhalt aus. Der Reigen dieser agitatorischen Thätigkeit der Opposition wurde eröffnet durch deu von Fort­schrittlern und Sezcssionisten uuterstützten Antrag des Frankfurter Demokraten Stern, betreffend die Einführung der geheimen Abstimmung bei den Wahlen zum Abgcordnctcnhausc und zn den Kommnnalvertretungen. Das war ein Antrag sv recht geeignet, nur zu demVolke" zu reden und ihm zu zeigen, welchefreihcitsfeiudliche" Regierung über Preußen gebiete. Da waren nicht nur die Fortschrittler mit ihrem Freunde, demguteu" Republikaner Stern, im