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Neueste Blüten deutscher Lyrik.
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Neueste Blüten deutscher Lyrik.

von Paul Schönfeld.

enn einer von der kindischen Gewohnheit nicht lassen kann, sich die Finger mit Tinte zu beschmutzen, unter dein Vorwande, die Welt zu erleuchten oder zu ergötze«, so mag er, wenn er will, schlechte Romane nnd elende Dramen schreiben- aber nnr jn keine Verse! Ist aber der Unglückliche wirklich von dem t-umtieus error des Verse- nmchens besessen, hat sich sein Geist infolge eines cmgeboruen Cre- tinismus auf jenes langweilige Geduldsspiel ccipricirt, eine gegebene Anzahl von Worten in einen gegebenen Ranm von Zeilen unterzubringen, ist er durch einen intellectuellen Veitstanz dazn vernrtheilt, in jenen Sprüngen zu denken, die man Strophen nennt, so möge er sich doch um Himmelswillen nicht öffentlich zur Schon stellen, er reservire sich für seine Freunde nud seine Hausmagd oder für den Zweck, seine Gläubiger zu schrecken und in die Flucht zu schlagen. Denn Verse zu machen ist in Italien ein verworfener Beruf und ein anrüchiges Handwerk.

Diese pessimistisch kliugeuden, aber leider nur zu begründeten Worte, die einer der hervorragendsten zeitgenössischen Poeten Italiens, Giosus Cardueci, in jüngster Vergangenheit seinen Landsleuten zurief, dürften in gleichem Maße ihre Geltung beanspruchen, wenn sie an eine gewisse Gattung deutscherLyriker" gerichtet wären, die in wahrhaft grnusencrregcnder, ihren welschen Rivalen in nichts nachstehender Menge unsern Büchermarkt überschwemmen. Wenn das Interesse selbst literatur- frenndlicher Kreise für die Erscheinungen dieser Lyrik in keinem Verhältniß hierzu steht, sondern in stetem Abnehmen begriffen ist, so kann der Grnnd davon schwerlich allein in der relativ nüchternen Richtung gesucht werden, durch welche sich ja die Gegenwart unleugbar von den ersten Decennicn dieses Jahrhunderts unterscheidet; wie könnten sonst Werke der Erzählungsliteratur, die nn abenteuerlicher Phnntastik ihres gleichen suchen, sich eines so dankbaren Publicums erfreuen? Wir glauben nicht fehlzugehen, wenn wir vielmehr die Hanptnrsache in dem Poetischen Augebot erblicken, in dem Mangel an Gehalt und Originalität einerseits, andrerseits in der dilettantischen Unreife nnd Formlosigkeit, die sich ans diesem Gebiete neuer­dings dermaßen breit machen, daß man es Leuten von einigem Geschmack nicht verargen kann, wenn sie nach einer Reihe schlimmer Erfnhrnngen auch durch die anerkennendste Kritik nicht mehr znr Lectüre einer Gedichtsammlung sich angereizt fühlen , sondern in die allgemeine Jeremiade über das Darniederliegen der Poesie einstimmen.

Wenn bei so bcwcmdten Umständen etwas Verwunderung erregt, so ist es die Thatsache, daß auch das werthloseste Machwerk, dem die Pure Impotenz an der Stirn geschrieben steht, unter den Verlegern seiueu Charon findet, der es zum Ufer einer schattenhaften Existenz hinüberleitet, und es regt sich beim Durch­blättern so manches splendid ausgestatteten Buches unwillkürlich der Zweifel, ob die Verlagshandlnng es wirklich gewagt hat, die Herstellungskosten zn tragen oder nur auf das Risieo des Autors hin sich zur Uebernahme der Pathenstelle hat bereit finden lassen.

Die ernsthafte Kritik, wird mancher meinen, welche lohnendere Aufgaben zu erfüllen hat, könnte Druckwerke, denen jede empfehlenswerthe Eigenschaft abgeht,