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nach der Gegend des „Napfes" verräch nns, daß du dich von der unendlichen Mühsal deines Amtes erholen willst durch einen tüchtigen Marsch und freien Ausblick auf die einzige Größe der Gebirgswelt deiner Heimat.
Und neben den Menschen, die uns aus Gvtthelf längst vertraut sind, ziehe» an unserem Auge die Höhen und Thäler vorüber, die behäbigen Holzhäuser, Dörfer und Sennhütten, die er uns so tren und schlicht geschildert hat. Eug ist der Horizont dieser Thäler, hart und schwer die Scholle, die der Landmann zu bewältigen hat. Aber um so weiter erscheint die Welt denen, die hier aufwuchsen, um so zäher und tapferer ist der Menschenschlag geartet, der diese harte Scholle zu brechen und ans dem kargen Boden der Väter Wohlstand und Behagen zu gewinnen verstand. Mit besonderer Andacht begrüßen wir Sig- nau und Langnan, Dörfer nur wie die übrigen Stationen, aber die europäischen Hauptstädte der Welt Jeremias Gotthelf's.
In eigenthümlichem Gegensatz zu den Bewohnern des Emmenthcils steht das Völkchen des Entlibuchs. Viehhandel und Käsebereitnng bilden hier wie dort Hanptnahrungszweige der Bevölkerung; im Emmenthal kommt neben diesen weit mehr eigentliche Landwirthschaft vor, als in dem schon dem Alpencharakter sich nähernden, viel schmaleren, nur füuf Stunden langen, steileren Entlibuch. Durch körperliche und geistige Regsamkeit ist der Entlibucher ausgezeichnet und dieser Eigenthümlichkeit halber mit Recht berühmt unter deu schwerfälligeren Bnndesbrüdern. Wenn sein Käse bei uns bei weitem nicht den Ruf des Emmenthalers besitzt, so ist dies jedenfalls nicht die Schuld des Entlibuchers. Die Verbindung dieses Thales mit der Welt war bis zur Eröffnung der neuen Bahn nicht gerade günstig bestellt. Und wer sagt uns auch, daß der Emmenthaler Käse, den wir gläubig als solchen verzehren, gerade im Emmenthal gewachsen ist uud nicht vielmehr im Entlibuch?
„Station Escholzmatt", ruft der Schaffner. Wir haben die Wasserscheide zwischen Entlibuch und Emmenthal erreicht. Zu gigantischer Höhe thürmen sich die Berge zur Rechten. Weit zerstreut liegt das Dorf auf dem tannenbewachsenen Hügel zur Linken. Der lange Priestertalar, der dort unter den Wartenden am Perron bemerklich ist, gemahnt uns, daß wir uns in dem stockkatholischsten Theil des „Lnzernerbiets" befinden. Wenige Stationen von hier gegen Luzern zu, in Malters, wurden dem blinden Fanatismus Roms im Jahre 1847 mehr blutige Opfer dargebracht, als im ganzen übrigen Sonderbundskriege. Unter dem jetzt in französischen Diensten als General stehenden Oberst Ochsenbein hatten die Berner bei Littau, nahe Luzern, eine Schlappe erlitten, welche unter den ungeübten Truppen panischen Schrecken erzeugte. In wilder Flucht — die Kavallerie, welche die Brücke hiuter Littan halten sollte, voran, hinterdrein das bischen Artillerie und ein aufgelöster Hanfe Infanterie