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Literatur.
Georg Jenntsch, eine alte Bündnergeschichte von Conrad Ferdinand Meyer. Leipzig, Verlag von H. Hässel, 1876.
Zu wenig noch ist in Deutschland gekannt und gewürdigt der schweizerische Verfasser dieser ausgezeichneten historischen Novelle. Zwar sein Kranz musterhafter Sonette, „Hnttens letzte Tage", fand schon des Stoffes, des Helden wegen mehr Beachtnng als unser deutsches Publikum Dichtungen zu schenkeu pflegt, welche, statt von der Zeitnngsreclame, nur von innerein Werth getragen werden. Aber das poetische kleine Epos „Engelberg", die geistreich concivirte Novelle „das Amulet", welche in der Pariser Bluthochzeit ihren Abschluß fiudet, sowie eine Sammlung vou „Balladen", dann von „Romanzen und Bildern" drangen nur wenig über die kleine Gemeinde derjenigen hinaus, welche noch an sorgfältigster Heranbildung wohl gewählter Stoffe in vollendeter Form durch eine finnige Künstlernatur sich erfreun. Wie wir zu hastig leben, so lesen — und schreiben — wir viel zu hastig heutzutage, um uns in die Feinheiten, die stillen, geschmackvollen Reize solcher kleiner Cabinetsstücke zu vertiefen, wie sie dieser wählerisch und subtil arbeitende Dichter langsam bildend, zögernd, reift. Doch hat sich über die vorliegende Erzühlnng in erfreulicher Uebereinstimmung schon eine Reihe berufener Urtheiler auf das Günstigste ausgesprochen: aus voller Ueberzeugung werfen auch wir dem Dichter den Kranz zu für seine mit feinem Stylgefühl vollendete Arbeit.
Die Geschichte spielt in den Kämpfen, welche im siebzehnten Jahrhundert in „alt fry Rhätien" für die Freiheit und Reformation gegen die spanisch-katholische Macht, französische Einflüsse und einheiunsche Adelsgeschlechter geführt wurden. Der Held Georg Jenatsch ist ein reformirter Pfarrer, welcher aber viel mehr vom Kriegsmann und Staatsmann als vom Geistlichen in sich trägt und, nachdem durch Fanatismus der Gegner sein juuges Weib ermordet, sein Pfarrhans zerstört wird, als Führer der Freiheits- und Glaubens-Kämpfer eine blutige Rolle spielt: dabei tödtet er den Vater seiner Jngendgespielin und nnvergeßnen Jugendgeliebten Lncrezia, deu habsburgisch gesinnten Pompejus Planta in dessen überfallnem Schloß. Wechselnde Geschicke führen den Helden in den Dienst des edeln französischen Herzogs Rohcm, — eine mit besonderer Vorliebe und Feinheit gezeichnete Figur: die Semen, welche in deren Umgebung in Venedig spielen, zählen zu den vorzüglichsten Bildern in dem Rahmen des Buches — welchen er aber zuletzt verräth und verdrängt, weil er von dieser allzu zart- fühligen und zaudernden Natur die Rettung seines Landes nicht mehr erwarten kann. Dem: die leidenschaftlichste Vaterlandsliebe ist das letzte, das Grund-