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Dom preußischen Landtage.
Berlin, 4. Februar.
Die Budgetdebatten der abgelaufenen Woche erreichten ihren dramatischen Höhepunkt in dem Wortgefechte über den Dispositionsfonds „für allgemeine politische Zwecke". Diese 31,000 Thaler haben seit langen Jahren das Verdienst, den Sensationsbedürftigen der Tribünen einen genußreichen Tag zn verschaffen. In dieser Beziehung haben sie ihren Ruf auch Heuer bewährt. Aber niemals znvor bewegte sich der Streit auf so plattem Niveau, wie diesmal. Prinzipiell wurde der Fonds eigentlich nur vvu ultramvntauer Seite angefochten. Herr Windthorst will weder eine vfsiciöse Presse, noch eine geheime Polizei. Beide gelten ihm als schlechtweg verwerflich. Sein Gesinnungsgenosse v. Schorleiner verstieg sich sogar so weit, die officiöse Publicistik als „Pestbeule" zu charakterisiren, für welche drastische Bezeichnung natürlich eine Isvis nvtg, von Seiten des Präsidenten nicht ausblieb. Das Seltsame dabei ist nur, daß Alles, was man hier mit so gewaltiger sittlicher Entrüstung bekämpft, nirgends sorgfältiger ausgebildet ist und nachdrücklicher ausgeübt wird, als in der Staatskunst der Jesuiten. Auch dürfte es interessant sein, näher zu untersuchen, ob die weiland hannoversche Staatsregierung zu Zeiten der Windthorstschen Ministerschaft ihre Hände von diesen Greueln wirklich so rein gehalten hat, wie mau nach dem catonischen Auftreten des Führers der Centrumspartei vermuthen sollte. Allein, nicht diese Angriffe von ultramontaner Seite gaben der Debatte die Signatur; das Charakteristische lag in dem Dnell zwischen der Fortschrittspartei und dem Minister des Innern. Aus dem Dispositionsfonds wird u. A. die „Provinzialcorrespondenz" unterhalten. Man kann der Fortschrittspartei nicht verargeu, wenn sie dies Organ mit ihrem Groll bedenkt; es hat sie, namentlich zur Zeit der Landtagswahlen, mit entschiedenster Unzweidentigkeit als die von der Regierung perhorrescirte Partei gekennzeichnet. Nur nimmt es sich nach den jüngsten Erfahrungen in der That recht komisch aus, wenn gerade die Führer der Fortschrittspartei sich zu Lehrmeistern in der Loyalität und Sittlichkeit des politischen Parteikampfes aufwerfeu. Wir sind weit entfernt, die Art, wie die „Provinzialcorrespondenz" die Fehde geführt hat, zu billigen; bedenken wir aber, wie der nationalliberalen Partei dafür, daß sie in der Landtagswahlbewegung die Uebertreibungen der Offieivsen über den angeblich staatsfeindlichen Charakter der Fortschrittspartei zurückgewiesen hat, von der letzteren vergolten worden ist, so ist uns sehr erklärlich, daß die Nationalliberalen durchaus nicht Lust zeigten, sich durch die pathetische Philippika des Herrn Virchow mit fortreiße,, zn lassen. Für ihre