— 186 —
Weise: Zuerst nahmen sie ihm den Kelch und sprachen: O! du verfluchter Judas, welcher verlassen den Rath des Friedens, und Rath gehalten mit den Juden, siehe, wir uehmen von dir diesen Kelch, darinnen das Blnt Jesn Christi aufgeopfert wird, zur Vergebung der Sünden. Auf diese Weise nahmen sie ihm das andere Gerüthe eines ums andere und sprachen zu einem jeden gemeldete Worte des Fluches. Da sie ihn nun aller Meßkleider beraubet hatten, wollten sie ihm auch die Platte auf seinem Kopf schänden. Es enstund hierüber ein Streit unter den Bischöfen und Pfaffen, einige wollten es mit dem Scheer- messer thun, andere aber sagten: es sei genug, wenn es mit der Scheere geschehe. Endlich verglichen sie sich, und machten mit der Scheere ein Krenz in die Platte, setzten ihm eine papierne Krone, ans und sprachen: Wir befehlen deine Seele den Teufelu. Die Krone war ohngefähr eine halbe Elle hoch, in Form einer Pyramide, daran drey grosse abscheuliche Teufel gemahlet waren, mit der Unterschrift: dieser ist ein Erzieher. Hierauf befahl der Kaiser Herzog Ludwigen: Er sollte ihn dem Henker übergeben. Zu dem Ende legte der Herzog seinen fürstlichen Ornat ab, in welchen er den Kaiser bedienete, überantwortete Hnssen, und führte ihn bis zu dem Richtplatz.
Es war aber Caspar Graf von Schlick kaiserlicher Kanzler, ein sehr gelehrter, kluger und verständiger Herr der bey drey Königen die hohe Würde als Kanzler ohne einigen Wechsel des Glücks, begleitet hatte, und deswegen von ihnen viele Städte und Güter, als Passau, Weisseukirche (wovou sich die Grafen Schlick noch heutzutage schreiben) Ellnbogen, Grain in Steuermark !e. geschenkt bekommen, gegenwärtig. Von diesem sagt man, als er das Urtheil gehöret, sey er aus der Kirche gegangen, und habe öffentlich betheuret, wie er bey einem so übereilten Urtheil mit guten Gewissen nicht gegenwärtig sein könne.
Nachdem nun Huß auf diese Art verdammt war, führeten die Henker ihn mit der Krone ans dem Haubte zn dem Scheiterhanffen. Da er auf dem Kirchhofe seine Bücher verbrennen sahe, stand er stille, und lachte. Darauf gieng er fröhlich, ohne ein einziges Zeichen von Furcht vou sich zu geben, an den in die Erde geschlagenen Pfahl; an diesen bnnden ihn die Henker rücklings mit 6. Stricken. Um den Halß legten sie ihn eine alte verrostete Kette, gleichsam als ob er keiner neuen werth wäre. Unter seinen Füssen, an welchen noch die Stiefeln und Fußeisen waren, legten sie 2 Büschel Reißholz , und um ihn rnm viel Holz, Stroh und Reißig. Ehe es aber der Henker anzündete, ritte Herzog Ludwig von Bayern und der Marschall einer Reichsstadt zu ihm, und befragte ihn noch einmal: Ob er von seinem Irrthum abstehen, und seine Lehre und Predigten verschwören wolle? Huß aber rief mit Heller Stimme aus dem Holzhauffen: Ich rufe Gott zum Zeugen an, daß ich das-