518
Literatur.
Aus der Türken- und Jesuitenzeit vor und nach dem Jahre 1600. Von Friedrich Schuler von Bibloy. Berlin, Verlag von Theobald Grieben, 1877.
Seit geraumer Zeit schon verlangt und erwartet man von jemand, der Geschichte schreibt, daß er der Form wenigstens einigermaßen mächtig sei, und daß er die von ihm gesammelten und gesichteten Thatsachen mit einer gewissen Geschicklichkeit übersichtlich zu gruppiren und in die rechte Aufeinanderfolge zu bringen verstehe, mit einem Worte, daß er erzählen könne, und wir meinten, daß diese Ansicht auch an der neuen Universität zu Czernowitz, die uns als ein Pflanz- und Pflegestätte der deutschen Wissenschaft bezeichnet wurde, getheilt werde. Wenn man nach dem oben erwähnten Buche weiter schließen dürfte, wäre das nicht der Fall. Der Verfasser ist ordentlicher Professor an jener Hochschule der Bukowina, und seine „Historischen Darstellungen, zumal Fürsten- und Volksgeschichte in den Karpathenländern" ist ein wirres Durcheinander von Studien, Excerpten und anderem Material zu einer Geschichte der von ihm ins Auge gefaßten Periode, das. namentlich in den ersten Abschnitten, vollständig planlos erscheint. Fast allenthalben ist hier der Zusammenhang durch Abschweifungen unterbrochen, und oft sind ganz verschiedene Dinge so unvermittelt neben einander gestellt, daß man vermuthen möchte, Herr Schuler habe seine Sammelstücke ungefähr in der Reihenfolge verwerthet, wie sie ihm zufällig zur Hand gekommen seien. Auch das Deutsch des Verfassers läßt zu wünschen übrig, und wie wenig er der Sprache mächtig ist, wie wenig er sich hütet. Dinge vorzutragen, die in besserem Stile längst gesagt sind, zeigt gleich der Anfang des Vorworts, durch den wir belehrt werden: „Ein Schlüssel der Vergangenheit und der Zukunft liegt in der richtig verstandenen Geschichte, welche uns die Entwickelung von Staaten und Völkern vorführt und die Bestimmung des Menschengeschlechts erkennen läßt. Es wird immer die Politik der Gegenwart auch diesen Schlüssel benöthigen; doch diesen selbst darf nicht die Politik schmieden und drehen nach ihrem Bedarf, sondern sie muß ihn gebrauchen, wie die Wahrheitsliebe, der Fortschrittsgeist und die Humanität denselben zu formen haben." Nach dieser Probe von tiefsinnigem Stil, dessen sich Karlchen Mießnick nicht zu schämen hätte, würde man uns nicht verdenken können, wenn wir nicht weiter gelesen hätten. Wir überwanden uns aber und arbeiteten uns durch Aehnliches hindurch bis zu Ende, wo wir außer manchem Bekannten auch eine Anzahl interessanter Nachrichten vorzüglich aus der siebenbürgischen Geschichte als Ausbeute unsrer Lectüre zu verzeichnen hatten. Zu loben ist ferner, wenn auch nicht stilistisch, daß „es dem Buche fern liegt, tendenziöse Parteinahme zu ergreifen." Frei-