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Aus dem Leben eines Pompejaners. II.
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Uns dem Leben eines "Fompejaners.

ii.

Von vr. R. Schoener in Rom.

Meine Aufmerksamkeit lenkte sich nun auf eine Werkstätte, aus der ich Gesang und griechische Laute hörte. Ich trat näher und sah über eine niedrige marmorne Brüstung in ein großes Zimmer, das erhellt wurde durch eine Anzahl hängender Lampen und dessen Wände ganz verdeckt waren durch eine Menge von Metallarbeiten, welche theils tiefdunkel sich von dem hellen Hintergrunde abhoben, theils im Scheine der Lichter flimmerten und blitzten. In dem Zimmer aber arbeiteten zwei junge Männer, deren edel-schönen Zügen man. auch ohne die griechischen Laute zu vernehmen, angesehen hätte, daß sie hellenischen Stammes, und auch, daß sie nicht blos geschickte Handwerker, sondern begeisterte Künstler waren.

Der Eine stand im Hintergrunde des Zimmers über einen Ambos ge­beugt und hämmerte feine Blättchen blinkenden Silbers, die er zuweilen prüfend auf einen vor ihm stehenden schön geschwungenen Dreifuß legte, um zu beobachten, wie sie sich, in denselben eingelegt, ausnehmen würden. Er fang ein Anakreontisches Liebeslied vor sich hin, in dem er sich zuweilen unter­brach, um ein paar scherzende Worte an seinen Gefährten zu richten, die dieser gewöhnlich nur halblaut und mit geringer Aufmerksamkeit erwiederte.

Der Zweite der Künstler stand an einem Werktisch in der Mitte, der von einer Hängelampe hell beleuchtet wurde. Vor ihm stand ein Werk, an das er jetzt die letzte Feile anzulegen schien. Er hielt einen Griffel in der Hand, mit dessen Spitze er zuweilen einen leichten Strich an der Figur aus­führte, worauf er die Rechte wieder sinken ließ, mit der Linken das Werk aufhob oder wendete und es sinnend betrachtete, wobei ein Strahl von freudiger Genugthuung seine feinen Züge und das tiefe dunkle Auge er­hellte. — Jetzt stellte er das Bild in die Mitte des mit Werkzeugen bedeckten Tisches, so daß es voll beleuchtet ward, trat einige Schritte zurück, um es zu überschauen, und rief aus:

„Dank sei der Athene und den Chariten; es ist vollendet und mich dünkt, es ward nicht übel! — Schau' her, Hegesistratos! Meinst du, daß der alte Clodius zufrieden sein wird?"

Der Gerufene warf eilig Hammer und Grabstichel bei Seite, trat neben seinen Gefährten und rief, nachdem er einige Zeit in staunender Bewunderung gestanden, mit leuchtenden Augen aus:

„Bei der großen Mutter der Götter! Dergleichen ist in Pompeji noch nicht gefertigt worden, und du bist der Athene ein feistes Böcklein schuldig,