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Zur Aesorm der Aechlstehre im deutschen Ueich.
Bei der eminenten Wichtigkeit der unter diesem Titel angeregten Frage hoffen wir auf Nachsicht, wenn wir uns noch einmal mit derselben beschäftigen. Zwei Punkte möchten wir der Prüfung der Sachverständigen noch vorlegen: die Einrichtung der juristischen Vorlesungen, und den Bildungsgrad der die Universität beziehenden Rechtshörer.
Längst ist zwar die Zeit vorüber, in welcher Bücher nur in Dom- oder Kloster-Bibliotheken zu finden waren, wo die mündliche Lehre der nahezu einzige Weg war, sich Bildung zu erwerben. Aber dennoch verräth die Einrichtung unserer heutigen juristischen Vorlesungen kaum die Thatsache, daß heutzutage eine unendliche Fülle gedruckter Bildungsmitrel Jedermann zugänglich ist, vielmehr wird mit dem mündlichen Durchkauen von Unterrichts- Material, welches dem Rechtshörer hundertmal besser gedruckt vorgelegt würde, auf den Universitäten eine ungeheure Zeit verloren und tiefer gehenden didaktischen Zwecken entzogen. Wir sind weit entfernt von der extremen Ansicht jener, welche seit Erfindung der Buchdruckerkunst die Universitäten überhaupt für überflüssig halten; denn kein Buch wird jemals die Macht des freien Worts, den Einfluß der lebensvollen Individualität des Lehrers ersetzen, — aber andererseits darf man nicht die Unterstützung übersehen, welche dem akademischen Lehrer durch die Buchdruckerkunst geboten wird. Wenn wir, was wir beabsichtigen, in den kurzen Satz fassen: „Vieles druckt man besser, als man sagt, und Vieles sagt man besser, als man druckt," so wird uns gewiß jeder erfahrene Doeent bestimmen. Auf eine richtige Combination der Vortheile des gedruckten mit dem gesprochenen Worte kommt es an; wie diese nun zu bewerkstelligen sei, finden wir auf dem Wege der Kritik der üblichen Lehrmethoden. Wir haben uns also zu fragen, wie werden heute die akademischen Vorträge auf den verschiedenen deutschen Universitäten gehalten? Wir unterscheiden folgende Methoden.
Es giebt zunächst auch heute noch manche akademische Lehrer, welche, abgesehen von hie und da eingestreuten Bemerkungen, Alles, was sie vorbringen, in die Feder dietiren. Diese, in gleicher Meise die Vortheile der Buchdruckerkunst wie des lebendigen Wortes ignorirenden Vorträge sind die
Grenzboten II. 1872. 26
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