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Die Postreservatrechte Bayerns und Württembergs.
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Wesens auf das Reich sich mindestens verdoppeln. Mit andern Worten, um diese Mehrbeträge würden die Matricularbeiträge Bayerns und Württembergs sich vermindern lassen; es würde mithin ein sehnlicher Wunsch auch der süddeutschen Bevölkerungen zum Theil der Erfüllung ent­gegengeführt werden. Dieselben Summen repräsentiren also gegenwärtig den Verlust, welcher dem bayrischen beziehungsweise württembergischen Staats­und Volksvermögen durch Aufrechterhaltung der Territorial-Pvst- institute erwächst. Letztere sind danach eine, wenn auch berechtigte, so doch höchst kostspielige Eigenthümlichkeit, deren Conservirung die wirth­schaftlichen Interessen in empfindlicher Weise schädigt, nicht zu gedenken all der Nachtheile, welche aus der Verschiedenheit der PostVorschriften, der ab­weichenden Qualifikation der Beamten u. f. w. entstehen.

Vergegenwärtigen wir uns weiter, wie durch diese Particular-Existenzen im Postwesen die machtvolle Einheit des neuen deutschen Reiches dem Aus­lande gegenüber alterirt erscheint, wenn, wie es rechtlich begründet und factisch ist, z. B. Bayern mit seinen auswärtigen Nachbarn Oestreich, Schweiz u. s. w. neben den vom Reiche vereinbarten Verträgen besondere PostVerträge für den Grenzverkehr abschließt, welche ohne Frage die Klarheit und einheitliche Gestaltung des technischen Betriebes beeinträchtigen, so muß dringend gewünscht werden, daß auf die Beseitigung der Terri- tonal-Postinstitute Bayerns und Württembergs zur Wohlfahrt des deutschen Volkes, welches keine postalische Mosaik-Organisation im Reiche wünscht, mit allen gesetzlichen Mitteln hingewirkt werde. Erst nach Erreichung dieses Zieles wird die Herstellung der deutschen Posteinheit zur vollen Wahrheit ge­worden sein. G. T.

Mchard Undree's tschechische Hange.

Bielefeld und Leipzig, Velhagen und Klasing 1872.

Seitdem Anton Springer sein berühmtes Buch über die Geschichte Oest­reichs geschrieben hat, haben wir über die Zustände Böhmens eigentlich nur Parteischriften, Parteiberichte erhalten, aus denen die Leidenschaft mitkämpfen­der Männer redet. Aus dem erbittertsten Kampfe heraus, den Menschen widereinander kämpfen können, dem Kampfe des Raeenhassesbis aufs Messer", der alle Verhältnisse des privaten wie öffentlichen Lebens zwischen Deutschen und Tschechen in Böhmen vergiftet und verdorben hat, haben die Kämpfer dann und wann einmal zur Feder gegriffen, um die draußen im Reich für die Gerechtigkeit ihrer Sache zu geistigen Bundesgenossen zu gewinnen. Auf

Grenzboten II. 1872.