Beitrag 
Dürers Befestigungskunst.
Seite
148
Einzelbild herunterladen
 

148

Wie sich nun Dürer eine Belagerung praktisch dachte, auch darüber hat er uns eine interessante Belehrung gegeben in einem aus zwei Blatt be­stehenden großen Holzschnitte. Links erblicken wir eine Stadt ganz nach dem Plane seiner Festungsbaukunst befestigt, nur befinden sich auf dem Grunde des Grabens Streichwehren in Form kleiner Thürmchen, die unterirdisch mit der Stadt im Zusammenhang stehen. Der Feind hat sein Geschütz bis zum Graben vorgeführt und steht mit den Belagerten im Geschützkampfe. Seine Flanken deckt er durch Tirailleurlinien. Der Belagerte macht soeben von rechts her einen Ausfall mit Fußvolk, Reitern und Feldgeschütz. Weiter rückwärts hat sich der Feind eingeschnitten, noch weiter rückwärts ziehen große Haufen Fußvolkes heran, flankirt von keilförmig geordneten Reiterschaaren. In den Zwischenräumen marschiren einzelne Leute und werden Kanonen heran­gefahren. Den Schluß bildet ein starker Wagenpark. Dazu erblickt man Bäume, brennende Dörfer; jammernde Frauen ein culturhistorisch sehr interessanter Schnitt, den sich der geneigte Leser in einer Kupferstichsammlung gelegentlich vorlegen lassen möge. Er führt nach Bartsch die Nummer 137.

Dürers Vorschläge wurden von seinen Zeitgenossen nur sehr vereinzelt und in sehr modisicirter Weise zur Anwendung gebracht. Die Festungsbau­kunst schlug durch die Einführung des Bastionssystems andere Wege ein, bis man nach Verlauf von zwei Jahrhunderten, nachdem man die bedeutenden Mängel dieses Symstems einsehen gelernt hatte, zu Dürers Ideen zurückkehrte, das heißt zur Erbauung von Polygonen Festungsgürteln, die durch Anlegung von Kasematten auch zu innerer Vertheidigung geeignet sind. Eines der neue­sten derartig eingerichteten Festungswerke war das Fort Sumpter, welches in dem amerikanischen Kriege soviel von sich reden machte.

Max Allihn.

Die liberale Partei des sächsischen Landtags.

Dresden, Anfang April 1872.

Sie sprachen vor einiger Zeit gegen mich den Wunsch aus, ich möchte über den hier versammelten Landtag meine aus nächster persönlicher Anschau­ung geschöpften Beobachtungen Ihnen für Ihr Blatt mittheilen.

Damals habe ich gezögert, diesem Wunsche zu entsprechen, eingedenk jener treffenden Bemerkung in dem 39. der berühmten Junius-Briefe:Um ge­recht über eine parlamentarische Versammlung zu urtheilen, muß man nicht blos den Anfang, sondern auch den Fortgang und das Ende ihrer Be-