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Uus dem Hammany-Mng.
Neuyork, 29. Juli.
Die Republik ist die beste Staatsverfassung — auch für den Geldbeutel der Staatsangehörigen. Diese oft gehörte und immer wiederkehrende Behauptung paßt vielleicht auf die Republiken über dem Monde, z. B. auf die des Jupiters, des Uranus oder eines noch nicht entdeckten Himmelskörpers. Auf die Republiken unterm Monde paßt sie nicht, auch nicht auf die vielgepriesenen Freistaaten der großen Union Amerika's. Zahlen beweisen, also lassen wir sie hier sprechen und uns ein Beispiel erzählen, vor dem vielleicht selbst Papa Kolb stutzen wird.
In Neuyork ist die Verwaltung der Stadt schon seit Jahren in den Händen der Demokraten, und die Demokraten wieder sind in den Händen eines Clubs oder einer Verbindung, die sich Tammany-Gesellschaft oder der Tammanny-Ring nennt. Diese Verbrüderung reicht ihrem Ursprung nach bis in das vorletzte Decennium des vorigen Jahrhunderts zurück, hat seit 1811 in Neuyork, wohin sie von Philadelphia verpflanzt wurde, ein eignes Logenhaus, die Tammany-Hall, und ist der Kern und Mittelpunkt für die gesammte demokratische Partei nicht nur im Staate Neuyork, sondern in der ganzen Union. Sonst weiß man von ihr nur, daß sie von unsichtbaren Obern die Parole empfängt, und daß ihre Organisation die Nachahmung eines indianischen Nationenbundes ist. Sie zerfällt nach derselben in dreizehn Stämme oder Völkerschaften, die unter ebenso vielen Sachems und einem Großsachem stehen. Sie hat ein „Berathungsfeuer", dessen Vorsitzender den Titel „Vater" führt, und bei dem man sich eines indianischen Rituals bedient, in welchem die Symbole des Tomahawk und des Kalumet eine Rolle spielen. Ihre Loge heißt „Wigwam", ihre Zeitrechnung ist die der Rothhäute, ja bei feierlichen Gelegenheiten zogen früher die Söhne Sanct Tam- many's sogar in der Tracht der Wilden auf. Dieser Bund ist in der Geschichte der politischen Parteien Amerika's sehr einflußreich gewesen, und mehrere bedeutende Staatsmänner, z. B. Wheaton, der frühere amerikanische Gesandte in Berlin, gehörten ihm an. Die Politik ist aber für die Gesellschaft in der Tammany-Hall nicht die Hauptsache. Ihr Zweck ist vielmehr die Besetzung aller direct oder indirect einträglichen Stellen in der Stadt und im Staate mit ihren Affiliirten, die Versorgung der letzteren mit gutem Gehalt und Verdienst und die Ausbeutung der öffentlichen Kassen bei Bauten und andern Unternehmungen zu gemeinnützigen Zwecken. Mit welcher unerhörten Dreistigkeit hier Unterschleife getrieben werden, ist jetzt wieder einmal in einer Weise zu Tage getreten, die des Schlimmsten spottet, was in dieser Beziehung auf dem Sündenconto mancher monarchischen Regierung zu lesen ist, und vor