Beitrag 
Zur Geschichte der politischen Literatur Deutschlands1806-1808. III.
Seite
427
Einzelbild herunterladen
 

427

in diesem Zustand, welcher gewiß sehr gut sei, solange Napoleon das Pro- teetorat führe, kein anderes Verhältniß als das des Sklaven zum Herrn.

Nach diesen Betrachtungen, die der eine der beiden Briefschreiber ent­wickelt, glaubt man ihm, daß ermit herzzerschneidendem Schmerze" die Unabhängigkeit des Vaterlandes hat untergehen sehen. Aber er will sich fas­sen in dem Glauben, daß die NachkommenMenschen sein werden, in wel­chen noch eine Seele lebt, denen folglich nicht jedes Leben genügen wird, sondern die über sich und ihre Familie hinaus zu denken vermögen, um zu fühlen, wie viel es werth ist ein Vaterland zu haben". Zum Schlüsse kommt noch einmal der andere Briefschreiber zum Worte, um zu sagen, daßdas Getreide der Publicisten, um Rechte zu deduciren, welches ihm vorher kaum erfreulich gewesen, jetzt ihm in tiefster Seele zuwider sei".

Wenig bekannt, wie die Schrift selbst, ist auch die Thatsache, daß ihr Verfasser Heinrich Luden ist, der sie,als die Göttinger Censur sie zurück­wies, in Jena, wo die Professoren damals noch Censurfreiheit genossen, auf seine eigene Gefahr drucken ließ" (s. K. Th. Pabst, Th. Müllers Jugend­leben. Aarau, 1861. S. 67).

Iranzosenspiegel.

So könnte man eine kleine, recht ansprechend geschriebene Schrift nen­nen, die unter dem TitelI^ittSraturo ÜÄNtzlÜLv xenälmt, 1a guerrs äs 187071. ?g,r un IZerlinmL" soeben im Verlag von Stilke und van Muy- den zu Berlin erschienen ist, und die durch geschickt ausgewählte und gut gruppirte Beispiele aus den während des letzten Krieges französischerseits veröffentlichten Büchern und Flugschriften sowie aus gleichzeitigen Zeitungs­stimmen ein treffendes Bild jenes Gemisches von Aufgeblasenheit und Prah­lerei, Verlogenheit und Selbstbetrug, Brutalität und Sentimentalität, heil­loser Leichtgläubigkeit und unheilbarer Leichtfertigkeit giebt, welches den Grund­charakter des heutigen französischen Volkes oder doch der Mehrheit der Pariser und des den Ton angebenden Theils der Nation bildet. Dieser Charakter dreht sich vor dem Beschauer in dem Buche, wie eine jener Modefiguren, die uns in den Schaufenstern von Coiffeurs und Damenkleiderhandlungen den in Paris herrschenden Geschmack zeigen, und der Verfasser begleitet diese Drehungen mit feinem kühlem Sarkasmus.

Die Preußen haben uns Metz, Straßburg u. a. genommen," ließ sich vor einiger Zeit ein pariser Flüchtling im Feuilleton derJndep. Belge" ver-