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Die jüngste Parlaments- Session in England : I. Fragen der äußeren Politik.
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Granvilles, soweit als möglich auf freundschaftlichem Wege Oestreich die Fol­gen eines solchen Vorgehens und die unzweifelhafte Erweiterung des Krieges zu einem europäischen vorzuhalten? Ein Bündnisz zwischen Frankreich und Dänemark hätte Frankreich nichts nützen und Dänemark nichts schaden kön­nen, wenn auch die Neigung der Dänen dazu erklärlich gewesen wäre." In Betreff der Vermittlung ergab sich, setzt Gladstone dann weiter auseinander, daß eine gemeinschaftliche Action nicht einmal zur gemeinschaftlichen Unter­suchung etwaiger französischer Anerbietungen behufs Milderung der Beding­ungen zu^ erzielen sei. Was das partielle Handeln betrifft, so sei von der Regierung geschehen, was in ihren Kräften stand. Es wird nun der Erfolg des Depeschenwechsels an Loftus und Russell erzählt und hinzugesetzt:Wir waren nicht Herren des Telegraphen und können daher den General-Post­meister nicht zur Rechenschaft ziehen. Ohne Zweifel ist der Telegraph ein unsicheres, Beförderungsmittel, allein zweifellos ist auch, daß das Telegramm bedeutend früher in die Hände des Herrn Odo Russell hätte gelangen können. Ich zweite nicht, daß ihm sehr leid that, daß irgend etwas die Depesche auf­hielt, denn Graf Bernstorff hatte mit der ihm eigenen Freundlichkeit und Offenheit sofort die Botschaft an den Grafen Bismarck gelangen lassen, und wir hören, daß Graf Bismarck dieselbe am Samstag Morgen bereits in Hän­den hatte. Wir haben auf diese Vorstellung keine Antwort erhalten. Ich kann meinem ehrenwerthen Freunde nicht mehr sagen, als ich selber weiß." Schließlich ging der Minister noch auf das Verhalten über, welches für die Zu­kunft zu beobachten wäre und versprach, in demselben Geiste wie bisher han­deln zu wollen, da er wohl glaube bewiesen zu haben, wie die Minister nicht gleichgültig gegen die Leiden Frankreichs (!) seien und daß sie gleichzeitig weder in Wort noch That um die Gunst einer großen und triumphirenden Macht gebuhlt hätten.Ich glaube," 'fährt er fort,es wäre die höchste Thorheit und ein ernstes Vergehen (wir glauben das auch), wollten wir mit Bitterkeit über die in der deutschen Presse gegen uns in starken Ausdrücken erhobenen Anklagen urtheilen oder auch über die Drohungen der Rache, die in künftigen Tagen durch die siegreichen Waffen Deutschlands an uns ge­nommen werden soll, weil wir den Waffenexport gestatteten. So­weit diese Worte des Zornes von der einen wie von der andern Seite in Betracht kommen, wollen wir sie ganz aus unserm Gedächtniß auslöschen und sie sollen uns in der Zukunft in keiner Weise beeinflussen. Rücksichtlich der Milderung der Bedingungen wäre höchst unklug, wenn man die britische Regierung durch einen parlamentarischen Beschluß binden wollte, denn wenn man auf Grund von abstracten Ideen vorgeht und sich verbindlich macht, so läuft man einmal Gefahr, nichts Wesentliches zu erreichen, und sodann macht man sich durch den Versuch allein zum Schuldner der siegreichen Macht und Grenzboten II. 1871. 52